Warum ist echte Bourbon Vanille im Edeka-Regal so wahnsinnig teuer?

Dieser Frage wollten wir a la Fritz Fuchs (Löwenzahn) bzw. Erik (pur+) auf den Grund gehen. Als wir in den Südosten der Insel gefahren sind, fielen uns schon des Öfteren die Schilder an Straßenrändern auf, die für die Vanilleprodukte Réunions werben. Alles in allem wird hier recht viel Aufhebens um die Vanillepflanze gemacht, quasi scheint sie uns wie der Weißschwanz-Tropikvogel fast zum Markenzeichen der Insel stilisiert. Nach kurzem Googeln stießen wir auf die Coopérative Pro Vanille in Saint Benoît. Hier wird Interessierten alles rund um die Geschichte und den Anbau bis hin zur Verarbeitung der herrlich duftenden Schote gezeigt und erklärt, ein wenig wie in einer gläsernen Bäckerei, nur eben mit Vanille. Diese recht gut bewertete Führung wollten wir also wahrnehmen, machten uns auf den Weg quer über die Insel von West nach Ost über 2000er grünbewachsene Berge und Gipfel. Nach einem kreolischen, also ziemlich fettigem und fleischlastigen Mittagessen erreichten wir pünktlich unser Ziel. Eigentlich kann man dieses zu Fuß gar nicht verfehlen, quasi immer der Nase nach. Schon beim Aussteigen strömte uns von allen Seiten dieser wunderbare charakteristische Vanilleduft entgegen, mmmh…🤤

Pünktlich begann unsere englisch/französische Führung mit einer netten jungen Dame, die uns gleich als erstes fragte: Wo hat die Vanilleschote ihren Ursprung? Ähm…stotter, stotter. In Mexiko, ebenso wie auch die Kakaobohne. Vanille wurde hier schon zu Urzeiten als Zusatz mit Kakao getrunken, um dessen bitteren Eigengeschmack zu übertünchen. Laut verschiedenster Erzählungen trank Montezuzma der II. angeblich 50 Tassen pro Tag davon. Gab es damals schon Tassen? Eher Kokusnüsse oder Goldkelche? Wie auch immer, ein Hoch auf die Totonaken (Vanille) und Azteken (Kakao)!

Wir lauschten weiter, sahen zu und lernten: Bereits vor 200 Jahren fand diese Orchidee der Gattung Vanilla auch über geschäftstüchtige Franzosen ihren Weg nach La Réunion, damals noch Île Bourbon. Aha, daher schonmal der Name! Und warum ist jede einzelne Schote nun so unfassbar teuer? Die geschäftstüchtigen Franzosen hatten zwar Ahnung von Geschäften, jedoch waren sie keine Biologen. Die Orchidee gedieh hier zwar im feuchten Südosten/Osten ganz prächtig, rankte was das Zeug hielt 10 bis 15 Meter in die Höhe und blühte herrlich duftend von September bis Oktober, aber Vanilleschoten waren einfach nicht zu entdecken. Die ebenfalls eingeführten Bienen zum Bestäuben mochten das Klima nicht und starben wie die Fliegen 😏. Naja, schön fanden die Franzosen die Pflanze trotzdem und so überwucherte sie erstmal für die nächsten 20 Jahre als Zierpflanze die Gärten, Plantagen und Wälder. Dann aber gab es aber einen, je nach Gerücht, sehr schlauen oder sehr wütenden zwölfjährigen Sklavenjungen, Edmond Albius. Er mag auch beide Eigenschaften erfüllt haben, aber es gibt eben hier nur für jede einzelne die „Wundergeschichte“. Als schlauer an Botanik interessierter Sklavenjunge beobachtete er die Befruchtung durch Insekten auf anderen Blüten. Er bemerkte, dass mit dem Zurückschieben einer kleinen Membran in der Vanilleblüte, sich diese selbst befruchten kann, weil dann männliche und weibliche Anlagen innerhalb einer Blüte zusammentreffen. Als wütender Zwölfjähriger war Edmond einfach nur sauer auf seinen „Master“ und zerquetschte dessen innig geliebte Vanilleblüten mit bloßer Hand. Dadurch war ebenfalls, laut Legende, der Weg frei für die Bestäubung. Wer Zwölfjährige kennt, weiß, dass auch letztere Erklärung sehr wohl wahr sein kann 😉. Welche hier auch immer die wahre ist, nach ein paar Wochen wuchsen erstmals Schoten an den Orchideen und eine ganze Industrie war geboren. Bis heute wird jede Blüte einzeln per Hand bestäubt, bis zu 1000 am Tag 😳 und dann ebenso manuell nach ca 6-8 Monaten Reifeprozess gezupft, 1 Monat in der Sonne und dann ca. 8 Monate im Schatten getrocknet, dabei gewendet und abschließend per Hand vermessen und sortiert. Daher also der Preis: echte Handarbeit vom Bestäuben der Blüte bis zum Versand der Schote. Daran werde ich auf jeden Fall denken, wenn mich das nächste Mal der Preis echter Bourbon-Vanilleschoten bei Edeka aus den Latschen zu kippen droht: Eine Bauernfamilie auf Reunion bestäubt per Hand die Blüten bis in die Nacht, trocknet und wendet monatelang die Schoten, damit ich im reichen Deutschland bei Edeka das duftende Gold in meinen Elsässer Apfelkuchen mischen kann…verrückte Welt…

Ein Kommentar zu “Warum ist echte Bourbon Vanille im Edeka-Regal so wahnsinnig teuer?

  1. Ist ja faszinierend 👍. Du bzw. Ihr habt recht, man sollte viel mehr über den Anbau und die Herstellung der Produkte wissen .
    Eure Berichte sind sehr bildhaft verfasst, man hat beim Lesen das Gefühl dabei zu sein👌. Sehr schön, lasst uns weiter an eurer Reise teilnehmen 😉😜.
    😘🤗👩🏻‍🦳

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