Cap Noir, Fêt Kaf und furchteinflössende Regenfluten

Cap Noir, ein unbedingtes must see auf Réunion! Am 20.12. pünktlich zur Fêt Kaf starten wir unseren ersten Versuch, endlich einmal den Mafate, Réunions wohl berühmtesten Talkessel, zu erblicken.

Beinahe morgens noch bei Sonnenschein und mit topp Laune fuhren wir eine Stunde nach Dos d’Ane, dort kauften wir uns vorsorglich leckeres, äußerst günstiges creolisches Mittagessen to go (Repas à emporter) und picknickten bei langsam aufkommendem Nebel gemütlich oben am Startpunkt auf einer netten Wiese neben anderen Familien, die sich eindeutig zur Fêt Kaf versammelt hatten. Mit der Fêt Kaf wird hier die Abschaffung der Sklaverei auf Réunion gefeiert und das ordentlich: zu Trommelrythmen wird hier ausgelassen gesungen, getanzt und gegessen, bis tief in die Nacht. Das fanden wir so schön, dass wir etwas langsamer aßen. Leider machten wir uns daher noch später auf den Weg und zogen quasi mit den dunkler werdenden Wolken zum Cap Noir. Dorthin führte wie gewohnt ein schmaler Pfad am Felsen entlang, auf der anderen Seite stets den Abgrund, mal mehr oder weniger sichtbar, je nach Wetterlage 😉. Der Weg war allerdings zügig gemeistert und wir kamen nach etwa 20 Minuten am Aussichtspunkt Cap Noir an. Etwas grün sahen wir noch für einen kurzen Moment ungefähr 1150 m unter uns aufblitzen und konnten erahnen, wie fantastisch dieser Ausblick ins Tal des Mafate bei klarer Sicht sein würde.

Allerdings waren wir nur kurz ganz traurig ob der fehlenden Sonne, denn dafür blieb keine Zeit. Es begann zu tröpfeln, zu nieseln, zu regnen und innerhalb kürzester Zeit zu schütten. Sandiger Geröllpfad am Abgrund bei weniger guter Sicht ist schon nicht ganz so entspannend, aber nun? Es goss wie aus Eimern oder besser Badewannen! Wir gingen so schnell es der Pfad und die Sicherheit erlaubte zurück. Was haben wir gelacht und gezittert 🤣😲. Bereits nach 2 Minuten waren wir nass bis auf die Knochen, liefen wie Bergziegen am Fels entlang und saßen nach etwa 15 Minuten triefend, nur noch in Handtücher eingewickelt im wärmenden Auto. Ok, dann ab zum Strand. Es war tatsächlich in etwa 98 % der Fälle bisher so, dass es in den Bergen vielleicht nachmittags einmal regnete, aber unten am Meer Verlass auf sonniges Urlaubswetter war. Dort könnten die Klamotten trocknen und 4 Halbnackte mehr oder weniger würden da auch nicht mehr auffallen. Begeistert von Plan B starteten wir motiviert. Leider hatten wir die Regenwasserproblematik der Insel etwas unterschätzt. Wenn es oben in den Bergen Sturzbäche regnet, müssen die ja auch irgendwohin. Dafür gibt es nahezu neben sämtlichen Straßen m.E. furchteinflößende Abwasserkanäle (tief, breit und nicht von der Straße abgegrenzt). Nun mussten wir nach knapp 2 km feststellen, dass diese teilweise verstopft waren und sich immer mehr Wasser aus den umliegenden Bergen sammelte, so dass diese Kanäle gnadenlos überliefen. Oh mein Gott, so bin ich in meinem ganzen Leben noch nicht im Auto gefahren, äh mitgefahren. Den Mammutjob musste ja Marcus erledigen und ich war wieder einmal heilfroh, dass ich meinen Führerschein in Deutschland vergessen hatte. Wir kämpften uns für die nächsten 20 Minuten Kurve um Kurve durch braune Wassermassen im Schritttempo die Serpentinen hinunter. Obwohl die Scheibenwischer hin- und herschossen war kaum etwas zu erkennen und irgendwie wurde es hinter jeder Kurve schlimmer. Dennoch kamen uns weiterhin ebenfalls sehr vorsichtig fahrende Autos entgegen. Also trauten auch wir uns. Am liebsten wäre ich runtergelaufen, aber 4 Halbnackte barfuß in durchnässter Unterwäsche durchs Örtchen laufend würden hier definitiv auffallen. Außerdem musste das Auto ja mit. Am Ende ging alles gut. Unser Tag endete am Strand, wo all unsere Sachen ganz schnell trocknen konnten. Eben noch im sintflutartigen Regen die Straßen hinunterzitternd und dann schwuppsdiwupps am heißen Sommersonnensandstrand fläzend… Das ist Réunion: abwechslungsreich und immer für eine Überraschung gut 👌🇷🇪.

2 Kommentare zu „Cap Noir, Fêt Kaf und furchteinflössende Regenfluten

  1. Liebe Sandra und Family, liebste Grüße aus Hamburg! Ich lese und bin quasi dabei. Sandra, du schreibst so anschaulich und lustig das man gar nicht mehr aufhören möchte. Alles Gute für euch. Take care, Nina

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