Cilaos und 400 Kurven – na dann…Hals und Zehbruch đŸ„Ž

Neun Wochen waren wir schon auf der Insel und nun ging es endlich los: Vier Tage wandern in Cilaos, also in einem der drei beeindruckenden Talkessel RĂ©unions waren geplant. Ihr erinnert euch? Unsere erste kurvenreiche Schnupper-Fahrt ins satte GrĂŒn? Nun wollten wir die gesamten 400 Kurven mit unserem kleinen Polo schaffen und starteten bei herrlichstem Wetter morgens um 8:30 Uhr. Voller Vorfreude kamen wir unten im Tal an, befestigten noch eben die GoPro auf der Motorhaube, damit wir auch ja beweiskrĂ€ftiges Material sammeln könnten: 400 dramatische Kurven? Los ging’s. Es ist kaum zu glauben, aber nach etwa einer Stunde „schlĂ€ngel hin und schlĂ€ngel her“, zwei dunklen, wenig vertrauenserweckenden Erdhöhlen, Ă€h Tunneln đŸ˜±, war es gar nicht so schlimm, sondern eher wie eine riesiger Weihnachtskalender mit 400 TĂŒrchen. Hinter jeder TĂŒr bzw. Kurve schauten wir neugierig, wie sich der Anblick des Talkessels erneut verĂ€nderte: neue Berge? höhere Berge? neue TĂ€ler? kleine pittoreske Siedlungen? FlĂŒsse? WasserfĂ€lle? Es war eine herrlich aufregende Fahrt. Das Wetter war fantastisch und wir hatten solch eine Fernsicht! Wir staunten durchgĂ€ngig, bis wir oben in der kleinen Stadt Cilaos ankamen.

Schnell checkten wir im Hotel ein, denn schließlich wollten wir jede der 96 Stunden so gut es ging nutzen. Nachdem wir uns an diesem Markttag in Cilaos durch das bunte Gewimmel von entspannten Touristen, MarktstĂ€nden und Einheimischen zur Kirche treiben ließen, konnte nun die 1. Wanderung zum Cascade Bras Rouge und La Chapelle beginnen. Es ging traumhaft bergab bis zum ersten kleinen Wasserfall, der natĂŒrlich ersteinmal von uns „bebadet“ werden musste. Fritzis hĂŒpfte voller Begeisterung wieder als Erste ins klare kĂŒhle Blau und wir trauten uns dann in ĂŒblicher Reihenfolge so langsam hinterher: Marcus, Pauline und dann, kurz bevor alle wieder draußen waren, schaffte ich es auch đŸ„¶.

Frisch abgekĂŒhlt machten wir uns wieder auf den Weg. Es ging ĂŒber schmale Pfade an begrĂŒnten Felsen entlang weiter hinab ins Tal. Oh mein Gott war das heiß đŸ„”. Zum GlĂŒck waren wir diesmal mit Wasser und Proviant ausgestattet, so dass wir recht entspannt nach einer weiteren Stunde am Cascade ankamen. Dort erwarteten uns schon ungewöhnlich viele AusflĂŒgler, die sich ĂŒberall verstreut in den Wasserbecken entspannten. Leider mussten wir ab hier eher ĂŒber Steine klettern und, wie zum Arche Naturelle, durch das Wasser stapfen oder mithilfe der Steine drĂŒberhĂŒpfen.

Die Umgebung war fantastisch, also entschieden Fritzi und ich, dass wir uns eine kleine Verschnaufpause genehmigen wĂŒrden. Wir fanden ein kleines „Wasserloch“ mit Forellen. Kaum tauchte Fritzi schon wieder nach den Fischen, hörte ich ein lautes Rufen meines getriebenen Entdeckers und Fotografen. Marcus wedelte mit den Armen und rief. Oh nein, ist Pauline doch zu waghalsig gewesen und hatte sich verletzt? Panik!!! Ich lief Marcus so schnell es hier eben ging entgegen und da war es klar: Er hatte sich verletzt und leider nicht zu knapp. Marcus war an einem Stein abgerutscht, dagegen gekracht und hatte sich dabei den großen Zeh gebrochen. Ich war tatsĂ€chlich trotz der Situation ein klein wenig erleichtert: nicht der Kopf, das Bein, sondern der große Zeh. Das Problem war ziemlich schnell klar: Hier unten kann keiner ohne Hubschrauber gerettet werden und Marcus schien das zu ĂŒbertrieben. Nun gut… er wollte es versuchen und quĂ€lte sich tatsĂ€chlich ganze 2 Stunden mit einem gebrochenen Zeh nach oben. Als er es endlich geschafft hatte, war Marcus schon ziemlich fertig und hatte starke Schmerzen. Daher blieb nur eine Lösung: Wir fuhren zum Krankenhaus in Cilaos, er völlig entkrĂ€ftet und ich ohne FĂŒhrerschein 🙈. Leider hatten die wirklich liebevollen und hilfsbereiten Ärzte/ Krankenschwestern vor Ort keine Möglichkeit, die Verletzung zu röntgen. Also trafen wir eine fĂŒr uns sehr traurige und fĂŒr mich ehrlich gesagt auch etwas mehr als beĂ€ngstigende Entscheidung: Zelte abbrechen und 400 Kurven und 2 grĂ€ssliche Erdhöhlen im Dunkeln zurĂŒckfahren, damit Marcus in Saint Pierre in der Notaufnahme untersucht werden könnte.

Die MĂ€dels hatten alles schon soweit zusammengerĂ€umt und so beendeten wir unseren ĂŒberwiegend schönen Tag in Cilaos mit einem faszinierenden Sonnenuntergang ĂŒber den Bergen und einer gruseligen Fahrt ins Tal.

Schon bei Tageslicht ist ja die kurvenreiche Strecke nicht ohne. Aber etwas mĂŒde, im Dunkeln und dann noch mit dem Wissen, das jetzt wirklich nix passieren darf, weil ich ja gar nicht als offizieller Fahrer eingetragen bin, fĂ€hrt es sich irgendwie noch schrecklicher. Ich stand ehrlich gesagt ziemlich unter Strom und musste mich so dermaßen konzentrieren, weil es keine Straßenbeleuchtung gab und ich manchmal nur die Kurven erahnen konnte. Zudem mag ich Tunnel ja schon im Hellen nicht, geschweige denn solch instabile bei Nacht. Man sieht ja kein Licht mehr am Ende đŸ˜©.
Aber wir haben es geschafft. Irgendwann gegen 21:30 Uhr setzte ich Marcus bei der Notaufnahme ab. Aufgrund der COVID-Bestimmungen durfte ich ihn nicht begleiten. Da wir alle noch kein Mittag gegessen hatten, machte ich mich also auf Futtersuche. In der Pizzeria „Giulletta“ erbarmte sich meiner ein lieber Mitarbeiter und machte fĂŒr uns trotz baldiger Schließung noch schnell eine wirklich fantastische Pizza.
Leider setzte ich dann nochmal an einer nervigen ĂŒberhöhten Bordsteinkante das Auto auf und zerschrammte ordentlich den Unterboden. Echt jetzt? Nach weiß ich wieviel Jahren unfallfreier Fahrt passierte das gerade jetzt? Ich durfte doch offiziell gar nicht fahren und wollte doch nur etwas zu essen kaufen, damit niemand mehr Hunger leiden muss 😇 und all das, wĂ€hrend ich auf meinen Mann in der Notaufnahme wartete… Mir war das aber schon irgendwie egal, es Ă€rgerte mich zwar, aber es war nur Plastik und ich einfach so unfassbar mĂŒde.
Am Ende machten wir MĂ€dels uns eher einen Spaß daraus aufzuzĂ€hlen, wie verrĂŒckt dieser Tag war: traumhafter Start bis zum Nachmittag und dann holterdipolter: Zehbruch (Marcus), Sonnenbrille hinĂŒber (Marcus hatte sich draufgesetzt), SpĂŒlmittel (beinahe) getrunken ( Wer? Marcus leider schon wieder 🙈) und am Ende Auto leicht geschrottet (zum GlĂŒck von mir 😂, welch eine Tragik).
Gegen Mitternacht wurde Marcus endlich aus der Notaufnahme gerollt. Unsere laienhafte Diagnose war bestĂ€tigt: sein linker großer Zeh war angebrochen. GlĂŒck im UnglĂŒck: es hĂ€tte ja auch ein Splitterbruch sein können, mit notwendiger OP. Aber so? Think positive 👍😃

Ein Kommentar zu “Cilaos und 400 Kurven – na dann…Hals und Zehbruch đŸ„Ž

  1. Das war ja noch mal eine schöne „Verabschiedung“ von dieser fantastisch schönen Insel fĂŒr uns. Wenn auch schmerzhaft, so doch ganz schön spannend und aufregend. Ich hoffe ihr kommt jetzt im kalten Paris zurecht und freue mich auf die nĂ€chsten Berichte, Bilder und Filme von Costa Rica. Seid gedrĂŒckt, eure Kerstin 👋

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