Kleine Eindrücke, dir nirgends reinpassen- wie so ein Karo-Shirt in einen maritimen Kleiderschrank

Während wir so durchs Land fahren, sammeln wir oft verschiedenste Eindrücke und erleben Skurriles, dass jetzt hier einmal erwähnt werden muss, bevor es für uns in Vergessenheit gerät:

Laundry- Service: Mehr Sein als Schein
Unsere dreckige Wäsche häufte sich nach einer Woche und aus Mangel an eigenen Waschmöglichkeiten im Hostel an und so machten wir uns auf die Suche. 5 Dollar (3100 Colones) pro Kilo verlangte das Hostel für einen Wäscheservice und das fanden wir mehr als übertrieben. Dunkel erinnerten wir uns auf einem unserer „Ausflüge“ ein Schild mit der Aufschrift „LAUNDRY“ gesehen zu haben. Dorthin fuhren wir nun und versuchten unser Glück. Wir parkten an der Straße und ich ging mit zwei vollen Wäschesäcken den, tja, nennen wir es einmal Weg, zu den Hütten hinauf. Eigentlich waren es nur Holzverschläge mit zwei Lücken als Sichtfenster, die von einem hysterisch bellenden Kläffer aggressiv verteidigt wurden. „Hola?!“ Keine Reaktion, nur noch heftigeres Kläffen. `Hoffentlich hält diese Strippe von einer Leine!` und `Ist das wirklich eine so gute Idee?`, fragte ich mich gerade, als mir eine korpulente desinteressiert wirkende Mitzwanzigerin in sehr dreckiger „Hauskleidung“ entgegenschlurfte und lethargisch fragte: „Si?“ „Ähm, estás lavando las ropas?“ „Si!“ „Äh, ok. Cuanto cuesta el kilo?“ „2000 Colones. Mañana!“ Damit galt die Sache als abgemacht. Ich drückte ihr die Wäsche in die Hand, sie wog 5 Kg mit einer Fleischerwaage ab und aus den Augenwinkeln sah ich, dass mindestens eine handvoll Hühner durch die Hütte liefen. Hm… ich entschied mich für eine optimistische Herangehensweise a lá „Wird schon!“ und verabschiedete mich, indem ich ihr vorsichtig zulächelte, die Hand hob und, einen möglichst großen Bogen um den Kläffer nehmend, durch den nassen triefenden Boden zum Auto bewegte. „Und?“, fragte Marcus. „Naja, ich weiss nicht. Irgendwie sah das nicht nach einer Wäscherei aus. Da liefen sogar Hühner in der Hütte rum und begeistert schien sie auch nicht zu sein.“ „Und jetzt?“ „Na nix, hoffen wir einfach, dass wir morgen unsere Wäsche zurückbekommen.“ oder eben mit Lokalkolorit formuliert: „Pura vida! Wird schon klappen.“
Und es klappte. Pünktlich am nächsten Morgen holte ich unsere saubere und gebügelte (gibts nichtmal zu Hause 😜) Wäsche ab, bedankte mich glücklich und bekam sogar ein leichtes Lächeln zurück, sowohl von der Frau des Hauses als auch, wie ich es interpretierte vom Kläffer, der sich heute glatt das Bellen verkniff.

Läuft ja wie gezuckert
Innerhalb der letzten 2 Wochen haben wir hier Folgendes gelernt: Du möchtest Joghurt kaufen? Lies genau! Du bestellst Fruchtshake mit Wasser? Formuliere exakt! In allem, wirklich in allem hier ist eine (zusätzliche) Portion Zucker. Marmelade? An erster Stelle kommt Zucker. Du bestellst einen frischgepressten Orangensaft? Er schmeckt einfach nur süß und klebrig. Wenn wir diese Süße nicht als ständige Begleiterscheinung haben wollen, die jeden Geschmack überlagert, schauen wir im Supermarkt mittlerweile ganz genau und jeder Bestellung wird ein „Sin azúcar, por favor!“ beigefügt. Ansonsten ist es wirklich ungenießbar 🥴

Privatklinik versus staatliche Klinik
Die Medikamente, besonders das Schmerzmittel, wollten bei Fritzi nicht so recht anschlagen und ein wenig belesen hatten wir uns zum Thema Ohrenentzündung auch. Daher entschieden wir uns nach 2 Tagen und insbesondere für Fritzi leider sehr unruhigen Nächten dafür, erneut eine medizinische Einrichtung aufzusuchen. Lena empfahl uns ihre eigene Ärztin in La Fortuna und ich muss sagen, dieser Empfehlung zu folgen hat sich wirklich gelohnt. Für 40 € bekamen wir hier ein sehr steriles, sauberes Behandlungszimmer, eine eingehende Untersuchung und ein ausführliches Gespräch mit der wirklich kompetent wirkenden und sehr geduldigen Ärztin. Ergebnis: Entzündungshemmende Ohrentropfen und angemessenere Schmerzmittel halfen tatsächlich direkt und endlich hatte auch Fritzi wieder Appetit und süße Träume. Wunderbar! 😍
Vielleicht hatten wir nur Glück mit der Ärztin oder etwas Pech mit dem Arzt, wie auch immer. Überzeugt hat vorerst die private Gesundheitsversorgung. Ich hoffe allerdings, dass kein weiterer Arztbesuch für einen von uns nötig sein wird. 🤞🙄

Vorsicht: Ameisen
Ganz ins Fotografieren vertieft stand Marcus neulich auf der Wiese und war ganz verliebt in die Umgebung. Ich wollte endlich einmal lesen, machte es mir mit einem Käffchen auf der Terrasse bequem und hörte nur: „Kannst du mal kommen?“ Ich schätzte dies nicht als Notfall ein, und nur von solch einem wollte ich mich jetzt stören lassen. Leider wurde der Ruf dann etwas vehementer „Sandra, schnell, ich brauch deine Hilfe!“ Das hörte sich doch leicht verzweifelt an. Ich schmiss das Buch auf den Tisch und sprintete los. Mein Mann kam mir schon mit halb runtergelassener langer Wanderhose entgegen und fuchtelte wild mit den Armen. Die neben uns wohnende nette 61-jährige Amerikanerin schaute mehr als irritiert „What the hell….“ Als er dann aber „Ameisen!“ rief, erfasste ich endlich die Situation. Mit seinem komischen orthopädischen Laufschuh für den Zeh konnte er sich nicht schnell genug die Hose ausziehen, in deren Hosenbeinen es jedoch nur so von Ameisen so wimmelte. Mich tot- und Marcus ein wenig panisch lachend, gewannen wir den Kampf gegen diese Biester, die leider tatsächlich fies zwicken. Allerdings ist dies nach einem kurzen kühlenden Wasserstrahl und 5 Minuten Geduld auch gegessen, so dass keine Folgeschäden zu vermelden sind. 👩🏻‍⚕️ Während Marcus sich um seine „Wunden“ kümmerte, verfolgte ich noch eben die Spuren des Geschehens. In seiner Panik hatte er alles von sich geworfen: Kamera, Turnschuh, Socke…und in einem etwas größeren Radius 😂 sammelte ich dann alles zusammen und erklärte der Amerikanerin, aus tiefstem Herzen lachend, die Situation. Sie lächelte nur und dachte vermutlich „Grazy Germans, so much ado about ants…“ tststs …

2 Kommentare zu „Kleine Eindrücke, dir nirgends reinpassen- wie so ein Karo-Shirt in einen maritimen Kleiderschrank

  1. Danke für die wieder mal bildhafte Erlebnisbeschreibung. Jeder Tag ein neuer schöner Tag mit neuen Eindrücken. Fritzis Ohrenmirakel erinnert mich sehr an einen Masurenurlaub vor 25 Jahren etwa. Philipp war damals in Fritzis Alter und bekam plötzlich, für ihn ungewöhnlich, starke Ohrenschmerzen. Man diagnostizierte eine Ohrenentzündung und es gab Antibiotikum. Und es wurde nicht besser, bis wir verfrüht nach Hause fuhren. Unser Hamburger HNO Arzt hat uns dann den kleinen feinen Unterschied zwischen Mittelohrentzündung und Gehörgangsentzündung erklärt. Beides wird ganz unterschiedlich behandelt. Bei Philipp war es dann schnell erledigt und kam auch nicht wieder. Ich hoffe, dass es bei Fritzi eine einmalige Geschichte war, und sie wieder ohne bedenken tauchen kann.

    Liebe Grüße von Kerstin

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    1. Hi Kerstin, bei uns war es ja genauso und ich hoffe sehr, dass Fritzi ohne weitere Entzündungen durch den Urlaub kommt. Sei auf jeden Fall lieb gedrückt ☺️👋

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