Privatstrand oder 7 Stunden im Nationalpark Manuel Antonio? Teil 2

Im Vergleich zu Réunion ist hier alles wirklich sehr durchkommerzialisiert: Für jeden Parkplatz, jede Attraktion bezahlen wir hier und zwar nicht zu knapp, bevorzugt in Dollar: 108€ für den Guide, 50€ Eintritt und 4,5€ für den bewachten Parkplatz. Letzteres war ja voll ok, aber der Parkwächter verlangte erstmal 4000 Colones. Mauro nannte uns dann vor ihm den regulären Preis, woraufhin er sich mit 3000 zufrieden geben musste. Wir hofften sehr, dass es sich lohnen würde. Für uns war besonders das Buchen eines privaten Guides ein Test, auf welchen wir uns einließen, weil wir eher an speziellen Infos über die Tier/ Natur für uns und die Kinder interessiert waren und unser Tempo gehen wollten, nicht zuletzt wegen Marcus. Zudem hatten wir wegen COVID keine Lust dicht gedrängt mit anderen Touristen aus aller Welt zu laufen.

Nachdem wir uns 5:15 Uhr langsam aus den Betten gequält hatten, mussten wir erstmal ein wenig frühstücken. Alles schlief noch, also ging ich leise aus dem Zimmer in die Küche. Irgendwie roch es gewaltig nach Hundeka…. und ich sah 👀 ihn dann auch schon: den großen Haufen vor unser Tür. Als ich ihn schon beinahe würgend 🤢 umging, rutschte ich leider in dem benachbarten, noch größerem Haufen aus 😫. Zum Glück fiel ich nicht noch hinein, aber das war so ekelig!!! Mir verging jedenfalls das Frühstück und mit Pura Vida war da auch nicht viel zu retten. Marcus war so tapfer und nahm sich meinen Latschen vor 😍. Susan sah das erst später und ihr war das total unangenehm. Sie entschuldigte sich 1000x als wir zurückkamen, aber da konnte ich zum Glück auch schon wieder drüber lachen, naja, zumindest leicht schmunzeln 🤥🤫.

Wie war es aber nun im Park? Dafür, dass wir 7:00 Uhr mit Eröffnung des Manuel Antonio’s vor Ort waren, liefen schon recht viele Menschen herum: Touristen, Guides und nicht zuletzt Ticos, die dir irgendwas aufschwatzen wollten. “Safe parking?” “No thanks, we are fine.” “Guide?” “No thanks, we already booked a guide.” “Parking?” “No thanks…” usw. Sowas stresst mich ja total und hinterlässt bei mir einen leicht bitteren Beigeschmack. Ich kann ja verstehen, dass auch sie ihr Geld verdienen müssen, aber manche Ticos waren mir einfach zu penetrant. Zum Glück wartete Mauro schon direkt hinter dem Eingang und erlöste uns. Nachdem wir uns einander kurz vorgestellt hatten, startete auch schon unsere Tour. Leider regnete es die ersten 20 Minuten, aber es war ok. Regensachen an und los ging’s. Mauro schritt jung und sportlich in seiner Safariuniform samt Swarovski-Objektiv/ Teleskop voran. In seinem super English erklärte er uns, wie der Park entstanden ist, dass er täglich etwa 3000 (!) Besucher zählt, wenn nicht gerade Covid das Geschehen bestimmt und dass diesen nur ca. 10 % des gesamten Geländes zugänglich sind. Die Tiere leben in diesem Regenwald völlig frei, weshalb man sie auch wirklich “suchen” muss. Zum Glück hatten wir Mauro dabei, denn schon nach 100 Metern blieb er stehen, stellte sein Teleskop (?) auf, klemmte das Handy ran und zeigte uns ein schleimig anmutendes bräunliches Blatt. Plötzlich bewegte es sich aber ganz leicht und wir mussten feststellen, dass dies eine Art Stirnlappenbasilisk war, den wir auf Grund seine perfekten Tarnung übersehen hätten. So ging es dann weiter: Mauro schaute sich ruhig um, stoppte plötzlich, holte sein Fernglas raus, stellte das Teleskop auf und zeigte uns Faultiere (2 oder 3- Zehen 🦥 ), eine schlafende Fledermaus 🦇, Vögel, ein Aguti beim Frühstück, Leguane, Geckos 🦎, Eidechsen, Landkrabben, drei unterschiedliche Affenarten, Schmetterlinge 🦋…Wären wir allein durch den Park gegangen, wir hätten nur einen Bruchteil entdeckt. Klar, man kann den vielen Grüppchen von 3-10 Leuten hinterherschleichen und versuchen, deren Infos mitzubekommen, aber das ist wirklich nur für den Geldbeutel effizient. Wer den Park erleben will, dem empfehlen wir einen Guide und ganz besonders Mauro👍, darin waren wir uns einig. Er war meistens einer der ersten, die etwas entdeckten und es dann nur an andere Guides weitergab, woraufhin diese Grüppchen dann zu uns stießen und ebenfalls schnell die Teleskope aufgebaut wurden. Das fanden wir manchmal schon recht befremdlich, denn es hatte teilweise den Charakter einer Jagd nach dem Schnappschuss mit jeglichem Getier, selbst wenn es nur eine Ameise war. Zudem waren wir dann leider mit Mauro und wenig anderen Guides mehrfach die einzigen Touristen, welche die Maske trugen. Manchmal hätten wir uns dann einfach auch mehr Verantwortungsgefühl einiger Touristen gegenüber den Einheimischen gewünscht.

Aber nochmal zu unserer Tour. Mauro war noch immer ein leidenschaftlicher Naturentdecker und steckte uns mit seiner Freude und Energie richtig an, wenn er ein Tier entdeckte oder uns interessante Infos über Bäume und Pflanzen gab: Es wächst hier in Costa Rica z.B. ein giftiger Baum, der Manzanilla … . Die einem kleinen, grünen Apfel gleichenden Früchte sind hoch toxisch (Erstickungsanfall), ebenso wie die Rinde und die Blätter. Dieser Baum steht auch im Park am Strand. Wer sich Schatten suchend darunterlegt, wundert sich anschließend über Hautverätzungen, die allerdings von den Absonderungen der Blätter und Rinde, nicht jedoch von zu starker Sonnenstrahlung herrühren. Dennoch haben wir Touristen gesehen, die sich darunterlegten, trotz der zusätzlichen Warnschilder 😱. Zudem entdeckten wir eine große wunderschöne blühende fleischfressende Pflanze , die aber gar keine war 😁. Es war “nur” eine schlaue Pflanze, die diese Form der Blüte adaptierte, um sich selbst mit Hilfe angelockter Insekten fortpflanzen zu können. Wir hatten hier ja auch schon des Öfteren die sehr hübsche, wenn auch ziemlich große Goldene Seidenspinne gesehen. Was wir nicht wussten: Die Fäden ihres Netzes sind so unfassbar stabil, dass es sogar schon den Versuch gab, aus ihnen kugelsichere Westen zu weben. Wir probierten es aus und wirklich, fein wie Seide und fest wie Angelsehne. Ach ja, zufällig erlebten wir auch das Gerangel zweier Brüllaffen-Familien um das beste Revier in den Bäumen. Mauro war ganz aufgeregt und erklärte uns, dass er dies so dicht noch nie miterlebt habe. War das ein Gebrüll, unfassbar und irgendwie auch lustig 🙉.

Nach vier Stunden verabschiedeten wir uns dann von Mauro am beliebten Badestrand des Parks. Dieser sei auf der Liste der 12 schönsten Strände der Welt und dessen Besuch ist im Eintrittspreis inklusive. Wir mussten schmunzeln, denn wenn es schon Top 12 heißt, belegt der Strand vermutlich genau den letzten dieser Rangordnung 😂. Er war aber auch schon wirklich schön, nur eben ein wenig voll. Pauline und ich genossen ein wenig Abkühlung im tiefen Wasser vor Palmen am weißen Sandstrand. Plötzlich ging neben uns ein lautes Gebrüll los und wir waren ganz erschrocken. Dann sahen wir, worum es ging. Einer der Mitglied der Affenmafia (Weisskopf-Kapuzineräffchen) war auch hier zugange und räumte den Rucksack eines ahnungslosen Touristen aus. Das unerwartete Gebrüll hingegen kam von einer Großfamilie, die neben uns im Wasser plantschte und dies lautstark feierte. Da fragten wir uns schon, wer sich hier animalischer verhielt 😝.

Unseren Rundgang schloßen wir noch mit einem kleinen Rundweg auf der vorgelagerten kleinen Insel ab. Wir genossen den Blick auf den Pazifik und die Ruhe. Kurz vorm Ende des Trails entdeckte auch uns noch eine kleine Gruppe Neugieriger Kapuzineräffchen. Sie nahmen ganz vorsichtig Kontakt zu uns auf und befühlten Paulines Haare, Fritzis Flasche und sahen sich selbst auf Paulines Handy an. Das war eine einmalige Begegnung, vor allem, weil wir wirklich ganz allein mit ihnen waren 😍.

Fazit: Dank Mauro hat sich der Ausflug in den Nationalpark Manuel Antonio sehr gelohnt und wir würden einen sehr guten privaten Guide immer einem günstigen Möchtegern, wie wir sie hier auch beobachtet hatten, vorziehen. Allein durch den Park zu gehen hätte uns nicht wirklich viel gebracht. Klar, wir hätten ein paar Tiere gesehen, aber ohne all die Infos wäre es wie eine schöne Naturdoku über Costa Rica, allerdings in schwarz- weiss. 😉

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