Chaotische Rückreise mit Hindernissen oder 27 Stunden Abschied vom Sommer

Wo fang ich an, denn eigentlich erinnere ich mich beim Thema Rückreise nur an eins:
“Do you have a PCR-Test?“
“Äh, no. We don`t need a test.”
“Of course you need a test.”
“No sorry, we don`t have one, because we don`t need a test until tuesday.”
“Are you sure?”
”Yes, we are.”
”Mh…”
”Mh…”
Es endete stets damit, dass eine verantwortliche Person angerufen wurde und wir die entsprechenden Zeilen auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes zeigen mussten. Anschließend wurde nochmals ein wenig zweifelnd geguckt, geseufzt und dann genickt, bevor wir durchgelassen wurden. Am schlimmsten war es in San Jose. Morgens war ich noch so schön mit Fritzi am Strand, habe warme Sommerluft und eine Brise Meer eingesaugt, als könnte ich dies so mit nach Hause nehmen. So gegen 11:00 Uhr haben wir uns dann auf den Rückweg in die Hauptstadt gemacht, immer mit der Sorge im Nacken, dass wir in einen Stau geraten und den Flieger verpassen. Doch es ging alles gut. Wir schafften es sogar noch, unseren Abschied mit einem für Costa Rica eher untypischem Essen zu zelebrieren. Wir entdeckten eine süße Pizzeria und aßen unsere erste richtige Pizza seit 10 Wochen unter großen Mangobäumen, die voll mit reifen Früchten hingen. Mh, lecker.. inklusive Nachtisch von oben sozusagen. Das machte uns den Abschied nicht gerade leichter, aber es half ja nix…

Pünktlich lieferten wir dann unser mittlerweile lieb gewonnenes „Schiff“ bei Alamo-Car Rental ab und wurden per Shuttle zum Flughafen gebracht. Doch 1,5 Stunden später mussten wir bereits schwer nach unserem hart erarbeitetem Pura Vida suchen und waren etwa 1200 € ärmer. Nein, wir wurden nicht ausgeraubt und trotzdem fühlten wir uns irgendwie betrogen. Als wir in der nicht enden wollenden Schlange bei der Gepäckaufgabe endlich auf Platz 1 vorgerückt waren und unsere Reisetasche aufs Gepäckband legen wollten, kam zum ersten Mal die Frage nach dem PCR-Test. Nach einem halbstündigem Wortgefecht von entspannt über unruhig bis hin zu ziemlich hitzig wurde uns dann mitgeteilt, dass Frankreich nun keinen 72-stündigen Transit mehr zuließe, wenn dabei der Flughafen verlassen würde. Eine Zugfahrt von Paris nach Hamburg sei somit ausgeschlossen. Wir könnten gern den Flug nach Paris umbuchen, noch einen PCR-Test machen, um dann am nächsten Tag den Zug von Paris nach Hamburg über Karlsruhe zu nehmen. Oder: Wir könnten selbstverständlich auch mal eben einen Flug von Paris nach Hamburg buchen, denn so müssten wir ja den Flughafen nicht verlassen. Dies war dann für uns die einzig sinnvolle Lösung, wenn wir auch gern sehr langsam Stück für Stück der Heimat entgegen rollen wollten. Egal, wir buchten quasi am Gepäckschalter den für uns sündhaft teuren Anschlussflug und durften dann endlich nach 1,5 Stunden unser Gepäck aufs Band legen. Nur ein Problem hatten wir noch vor uns: Unser Gepäck konnte nicht bis Hamburg durchgecheckt werden. Wir sollten es in Paris irgendwie abholen und es neu aufgeben. Aber wie denn bitte, wenn man dafür den Transitbereich verlassen muss? Das Problem müssten wir dann wohl etwa 9000 km später lösen 🥴

Der Flug war recht anstrengend, denn als gäbe es an Bord kein Corona, wurden hier beinahe alle Plätze belegt und jedermann saß dicht an dicht. Naja, das hatte auch etwas Gutes. Man konnte sich zumindest beim Fliegen an die Zeiten vor Corona ohne Abstand erinnern, besonders wenn das Essen serviert wurde und alle die Maske fallen ließen 😜. Außerdem war das System für die Bordunterhaltung ausgefallen und da Marcus im Flieger nicht schlafen kann, wurden es für ihn und die Kinder ganz besonders lange 11,5 Stunden…

Ziemlich müde in Paris angekommen suchten wir vergeblich nach dem uns empfohlenen Costumer-Service. Uns wurde mitgeteilt, dass wir diesen in einem anderen Terminal finden würden. Dorthin sollte uns ein Zug bringen. Würden wir damit aber nicht den Transitbereich verlassen? Das konnte uns niemand beantworten, da ja kein Costumer-Service zugegen war. Na toll, ne typische Zwickmühle! Irgendwann wagten wir uns dann in den Shuttle und alles war ok. Wir wurden von insgesamt 5 Mitarbeitern von Pontius zu Pilatius und wieder zurück geschickt, sollten Schnelltests machen oder eben nicht, durch die Passkontrolle gehen oder es lieber bleiben lassen. Doch letztendlich wurde uns nach 2 Stunden Rennerei geholfen. Wir blieben im Transitbereich ohne Schnelltest und eine Mitarbeiterin sorgte dafür, dass sich jemand unseres Gepäcks annahm und es durchcheckte. Ob das klappen würde? Ach, wir wollten einfach nur noch vertrauen.

Nach einer beinahe letzten Diskussion über den nicht vorhandenen PCR-Test bestiegen wir dann endlich mit warmen Klamotten und wieder dicken Socken an den Füßen den Flieger nach Hause. Dieser Flug in der kleinen Maschine war für mich der entspannendste von allen. Ich hatte eine entzückende junge Dame neben mir, die sehr kommunikativ war und mir fröhlich von ihrer Familie und ihrem jetzt beendetem Schüleraustausch in Lyon berichtete. Die Zeit verflog geradezu und ich lernte sogar noch, das man den philippinischen Namen Aleha eigentlich Alija ausspricht und es ein Schülerprogramm für 11-jährige gibt, das Kinder der Welt in einem Sommercamp zusammenbringt, mit dem Ziel, dem Weltfrieden damit ein wenig näher zu kommen. Fand ich super und vergaß darüber total meine Erschöpfung und Müdigkeit. Danke Aleha 😃!

So positiv ging es weiter, mal abgesehen von dem Regenwetter und den Böen, die uns in Hamburg empfingen. Brrrrr…..
Nachdem ich nicht einmal meinen Pass vorzeigen musste, wurde Marcus mit den Kindern von der weniger umgänglichen und leicht ahnungslosen Zollbeamtin sehr genau kontrolliert und belehrt. Was? Er hat keinen Test? Naja, das gleiche Spielchen wie überall. Nachdem er am Ende einwilligte, am nächsten Tag einen Schnelltest mit allen zu machen und sich an die Quarantäne zu halten, durfte er endlich gehen. Oh man…
Aber wie gesagt, es ging positiv weiter. Unser Gepäck kam an und wir waren sogar die Ersten, die es in Empfang nehmen konnten. Die Taschen hatten zwar etwas gelitten, aber egal. Wir waren glücklich, sprangen ins Taxi und ließen uns nach Hause fahren. Dort wurden wir so lieb empfangen. Es war zwar niemand im Haus (22:00 Uhr und Corona), aber eine Willkommensgirlande am Eingang, Blumen, Karten, Süßigkeiten, Kuchen und leckere Suppe in der Küche erwarteten uns in unserer Villa Sonnenschein. Auch wenn ich das Reisen und die Leichtigkeit des Lebens jetzt schon vermisste, so waren wir doch sehr gerührt und fanden es einfach nur schön 🥰.

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