Top 2 and 1/4 of Iceland: Geysir Strokkur, Gulfoss, Kerið und: Was hat Büxenzieh-Ringen damit zu tun?

Vor unserer Islandreise haben wir ja so manche Infos von Freunden, aus diversen Dokus, YouTube- Reisebloggern und klassischen Reiseführern aufgeschnappt. Allen gemein war die Empfehlung entlang des Golden Circle auf der Route1 zu fahren, um sich die Hotspots Islands anzuschauen. Diesem Tipp folgten wir und machten einen Tagesausflug zum Namensgeber aller Geysire, quasi dem Urvater. Da dieser mittlerweile aber etwas altersschwächelt war unsere Erwartung, was ihn betrifft, nicht allzu hoch. Vielmehr freuten wir uns auf seinen etwas „jüngeren“ äußerst aktiven und in direkter Nachbarschaft kochendes Wasser speienden „Bruder“ Strokkur. Und wirklich, beide erfüllten unsere Erwartungen vollends. Nachdem wir unser Auto mal wieder auf einem leeren Parkplatz abgestellt hatten, folgten wir einfach dem Rundweg, der zuallererst einmal vorbei an schwefelig riechenden Bächen oder blubbernden Quellen nach oben auf einen Hügel führt. Von dort aus hatten wir nicht nur einer schöne Sicht auf die umliegenden Berge bis hin zum Gletscher, sondern zudem auf die türkisfarbenen Wasserlöcher der Geysire. Während des kleinen Aufstiegs zur Aussichtsterrasse sahen wir bereits hin und wieder wie aus den Tiefen des Strokkur das heiße Wasser bis zu 10 Metern rasant und laut in die Höhe zischte, um dann mit einer Dampfwolke an der kalten Luft zu verpuffen. Das sah schon aus der Ferne irre aus, doch als wir später fast allein am Geysir Strokkur standen, war dieses hautnahe Erleben nochmal deutlich intensiver. Wir konnten gar nicht genug davon bekommen. Irgendwie wartet man immer auf die nächste, noch höhere Fontäne und merkt fast gar nicht, wie die Zeit vergeht. Nach etwa 30 Minuten voller „AAAAhs“ und „Ohhhhs“ wurden wir sogar mit doppelten Fontänen belohnt, die unerwartet direkt nacheinander aus der Erde schossen. Der Urvater, der Geysir selbst, sah einfach nur sehr schön aus, verhielt sich aber für die Dauer unseres Aufenthalts wirklich seinem Alter gemäß: ruhig und vor sich hindösend…

Bevor wir weiterzogen, tranken wir noch eben Kakao und Kaffee im hübschen Restaurant. Während wir so unsere Heissgetränke schlürften, liefen auf Monitoren alte schwarz-weiss Filme ab, die sowohl Kinder als auch Erwachsene bei einer uns entfernt bekannten Sportart zeigten. Uns war schon klar, dass es etwas mit Ringen zu tun hatte, aber die hielten sich ständig an Riehmen fest, die um ihre „Büxen“ alias Hosen geschnallt waren und tänzelten, so dass unsere Kinder schon meinten „Na, das ist bestimmt Walzerkämpfen“. Damit lagen sie gar nicht so falsch. Nach etwas Recherche fand ich heraus, dass „Glìma“ eine nordische Art des Ringkampfes und der Nationalsport der Isländer ist. Die Gegner umrunden sich während des Kampfes tatsächlich walzerartig, d.h. sie bewegen sich im Uhrzeigersinn umeinander.
Gewaltsames Aufeianderschmeißen oder Umreißen ist streng verboten, denn auf die Technik kommt es an. Um den Einsatz der Hände zu vermeiden, hielt man sich früher am Hosenbund des Gegners fest. Doch da diese dann schnell zerrissen, führte man ab 1905 den „Glimagürtel“, einen ledernen Kampfgürtel ein.
Diesen Sport haben schon die Wikinger im 9. Jahrhundert auf die Insel gebracht, als sie Island besiedelten. Allerdings sah die christliche Kirche ein paar Jahrhunderte später diese Tradition des Glìma-Ringens als heidnisch an, woraufhin es überall in Nordeuropa verboten und zwischenzeitlich nur noch auf Island fortgeführt wurde. Was für den Fußballer der WM-Pokal ist für den isländischen Glìma-Ringer der Grettisbeltið (Grettirs Gürtel). Dieser ist benannt nach dem starken Grettirs (Held einer isländischen Sage), einem wohl meisterhaften Ringer. Diese Trophäe wird jährlich dem Sieger der Glíma-Meisterschaft auf Island verliehen, der ihn dann 1 Jahr lang sein eigen nennen darf.
Was man so alles lernt auf Reisen…wunderbar!

Nach unserem leckeren Heissgetränk inmitten der Glìma-Helden Islands führte unser Weg dann zum Gulfoss. Nach nur 35 Minuten kamen wir an und hörten dessen Getöse schon beim Öffnen unserer Autotüren. Sehr neugierig liefen wir zügig auf dem Sigríður-Pfad dem Gulfoss entgegen. Ich muss zugeben, es sah wirklich richtig toll aus. Gewaltige Wassermassen plätschern oben im Fluss einem breiten Wasserfall zwischen steil aufsteigenden, vom Winter noch immer vereisten Felswänden entgegen. Lärmend stürzen sie dann in einen schmalen, tiefen Spalt hinab und plätschern, endlich unten angekommen, gemütlich im Flussbett zwischen den Felsen weiter Richtung Atlantik. Als wäre dieses Spektakel nicht für sich schon beeindruckend, hatten wir auch noch das große Glück, alles im Sonnenschein mit Regenbogen und schimmernden Eis an den Felswänden und glitzerndem Restschnee zu erleben. A Träumsche…

Wie gut, dass es schon vor über 100 Jahren solch starke Frauen wie Sigríður Tómasdóttir gab, die sich für die Rettung des Wasserfalls einsetzte, nachdem eine englische Gesellschaft den Wasserfall gepachtet hatte, um einen Staudamm zu errichten und Elektrizität zu erzeugen. Nach jahrelangem Rechtsstreit mit Hilfe des Anwalts, dem späteren Präsidenten von Island Sveinn Björnsson, und nachdem Sigríður mit dem Freitod in den Fluten drohte, erreichte sie ihr Ziel doch. Wie? Am Ende konnte der Vertrag schließlich aufgrund einer zu spät gezahlten Pacht aufgelöst werden und der Wasserfall ging schließlich zurück an den isländischen Staat. Dies erinnert mich an Greta Thunberg, die junge schwedische Klimaaktivistin, die mit ihrer Hartnäckigkeit vor 2,5 Jahren eine weltweite Bewegung zum Klimaschutz auslöste. Was wohl daraus geworden wäre, wenn es die Pandemie nicht gegeben hätte? Oder was noch daraus wird? Sigríður Tómasdóttir hat es schon vor 100 Jahren gezeigt, alles ist möglich…

Am Ende des Tages schauten wir uns Kerið an, einen Kratersee. Dieser war glücklicherweise nicht ausgetrocknet (#Costa Rica Irazù😜). Ganz im Gegenteil! Der rotbraune Vulkankrater war mit türkisem Wasser gefüllt und wir konnten sogar hineingehen und einmal um den See laufen. Muss man nicht gemacht haben, war aber mal ganz interessant zu sehen, ist aber vor allem fürs Auge oder Ohr schön. Ja genau, fürs Ohr. Auf Grund seiner Form ergibt sich hier scheinbar eine besonders tolle Akustik, weshalb im Sommer im Krater stark besuchte Konzerte stattfinden. Wir haben gerufen und von innen nichts besonderes bemerkt, aber vielleicht hätte auch einer oben am Rand zuhören müssen 😂.

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