Im Osten Islands: Was für eine Lämmerei!

Es ist morgens 6:40 Uhr, ich sitze hier in der Küche eines sehr alten Bauernhauses und schaue bei einem Gläschen Kaffee mit frischer Kuhmilch, Freihaus vom Gastgeber geliefert, auf den Hrùtafjördur. Die letzten Tage waren gefüllt mit merkwürdigen Ereignissen, so ganz und gar nicht im Sinne von komisch, sondern eher mit des Merkens unbedingt würdigen Erlebnissen:

Nach unserem Sightseeing-Marathon im Süden Islands fuhren wir ausgeschlafen am nächsten Morgen zurück zum Jökulsárlón und nahmen uns richtig Zeit für die fantastischen Eisberge, neugierigen Robben und den Diamond Beach. Ach wären das dort nur echte Klunker, dann könnten wir einfach immer so weiterreisen und das tun, was wir am allerliebsten machen: die Welt entdecken 🥰. Is aber net, also genießen wir das, was wir haben und machen uns auf den Weg in den ruhigen Osten. Auch schön 😜.

Fährst du hier aus südlicher Richtung gen Osten, so umrandest du zwangsläufig Fjörd um Fjörd um Fjörd um Fjörd… bis du irgendwann in dem richtigen Örtchen bestenfalls am richtigen Fjörd landest, in dem du die Unterkunft gebucht hast. Diese Fahrt zog sich bei uns von Hali bis Breiðdalsvík, einem kleinen Fischerdörfchen im größten Tal Breiðdalur. Dieses breite Tal (Breið= breit und dalur= Tal) ist umgeben von bis zu 1200m hohen Bergen mit derzeitig noch beschneiten Gipfeln. Im 137-Seelen-Dörfchen gibt es eigentlich nichts außer einem alten Hafen, einer großen Schule mit wenig Kindern (ca. 1 Kind/ Jugendlicher pro Jahrgang), zwei kleinen Hotels, einer mini-dorfeigenen Bierbrauerei und einem Kaffi, in dem hausgemachter Kuchen angeboten wird und der nebenbei auch als kleiner Tante-Emma-Laden alles bietet, was man so Notwendigstes zum Leben braucht. Außerdem gab es, wie in beinahe jedem Ort durch den wir bisher gefahren sind, ein Hüpfkissen (Trampolin) für alle auf dem zentralen Spielplatz. Dieser lag zur Freude unserer Kinder vor unserem Haus, so dass sich selbst unsere Teenies nach langen Touren mal so richtig darauf austoben konnten (Wir natürlich auch 😂!). Außerdem hat sich dort die gesamte Dorfjugend und Kinderschar am Abend getummelt (maximal 8 Persönchen), so dass dort auch ein quasi interkultureller Austausch mit Pauline und Fritzi stattfand. Eines Abends standen plötzlich 2 fremde Mädchen vor unserer Tür und fragten, ob sie nicht Lust hätten mit rauszukommen. So einfach geht das also! Nicht einmal 30 Minuten später hüpften alle gemeinsam maskenfrei (!) draußen in der Mitternachtssonne um 22:30 Uhr auf dem Trampolin und unterhielten sich auf Englisch über Unterschiede im „großem“ Hamburg und Breiðdalsvik.

Überhaupt bot Breiðdalsvik ein paar Überraschungen. Am zweiten Tag war es schon vorbei mit der selbstverordneten Entspannung in und rund um die Hütte. Ich bekam mal wieder „Hummeln“ und auch der Rest der Familie wurde unternehmungslustig. Also ging es am Nachmittag einfach mal auf die Südseite der Bucht zu einem weiteren Wasserfall. Bis auf dieses klare Wasser war er jedoch nur „ganz nett“, weniger spektakulär. Naja, das kennen wir ja schon: highlightverwöhnt…Wir liefen ob des schönen Wetters einfach mal drauflos und suchten den nächsten auf Infotafeln angepriesenen Wasserfall. Dafür wanderten wir bergauf und landeten auf einem tollen Plateau mit herrlichem Blick auf das umliegende verschneite Gebirge, das Wasser, vereinzelte Bäume, Bächen mit vielen nistenden Gänsen drumherum und einer entspannt grasenden kleinen, wilden Rentierherde. Was für eine Idylle!

Auf der Suche nach dem hier nicht namentlich erwähnenswerten Wassersprüdelchen 😏, kamen wir an einem kleinen Gehöft vorbei. Neugierig vom Gemecker blökender Schafe und einem blutigem Eimer 🥴 angezogen, versuchten unsere Kinder herauszufinden, was da im Stall vor sich ging. Dabei wurden sie von einer Mitarbeiterin entdeckt. Ganz entgegen der allseits nachzulesenden Introvertiertheit bis hin zur Unfreundlichkeit der Isländer, die uns allerdings wahrheitsgemäß auch noch nicht einmal begegegnete (Den „grumpy“ Nachbarn hatten wir ja nicht kennengelernt.), sprach die Bäuerin Pauline und Fritzi ganz höflich an. Sie erklärte ihnen, dass die Schafe just in diesem Moment ihre Lämmer bekämen und bat sie in den Stall. Das ließen sie sich nicht zweimal sagen und wir durften auch mit. Schon vor dem Stall war das ja ein lautes Geblöke, aber innen… oh mein Gott, war das laut. Mindestens 100 trächtige Schafe standen in dem Stall. Räumlich getrennt, ziemlich eng nebeneinander liefen bzw. lagen unruhig die gerade entbindenen Schafe. Die glücklichen, welche es schon geschafft hatten, wurden mit ihren Zwillingen in kleine Verschläge abgesondert, damit die Lämmchen in Ruhe versorgt werden konnten und nicht von anderen verletzt wurden. Wir sahen wirklich nur Zwillingslämmchen. Einige standen gerade erst auf, hatten noch ganz feuchtes lockiges Fell und waren total tapsig. Das war ja ein herrliches Erlebnis für uns alle. Immerhin hatten wir das noch nie erlebt und dann gleich in solch einem Ausmaß! Unsere Mädchen durften auch ein kleines Lämmchen halten und waren hin und weg. Geduldig beantworteten die drei lieben Mitarbeiterinnen unsere Fragen und irgendwann mussten wir den Stall leider verlassen. Noch selbst wie Schafe riechend gingen wir zurück ins Tal und diskutierten, weshalb wir in unserem kleinen Garten nicht einmal 2 kleine süße Schäfchen halten werden 😂.

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