Fagradalsfjall: Live dabei beim Vulkanausbruch auf Island
Fagradalsfjall: Live dabei beim Vulkanausbruch auf Island

Fagradalsfjall: Live dabei beim Vulkanausbruch auf Island

Auf nach Reykjavík – und endlich wieder echte Gesichter!

Die letzte Etappe unserer ersten Sabbatreise steht an. Von den Westfjorden aus geht es also nach Reykjavík, Islands Hauptstadt. Knapp 4 Tage sind noch übrig, um die Stadt und deren Umgebung zu erkunden. Natürlich planen wir auch einen Besuch des gerade ausbrechenden Fagradalsfjall. Obwohl wir schon auf Réunion live bei einem Vulkanausbruch dabei waren, haben wir keine konkrete Vorstellung, was uns hier erwartet, denn zumindest die Rauchwolke war ja zeitweise schon aus der Ferne gut sichtbar. Hoffentlich verabschiedet uns Island mit einem mehr als würdigen Finale! 

Zuerst bezogen wir nach einigem Hin und Her unsere geräumige, aber leicht gewöhnungsbedürftige und leider auch nicht ganz saubere Wohnung und gingen erstmal auf die Suche nach etwas zu essen. Als wir dann in einem Kronan waren, schien irgendetwas anders als sonst, aber was genau war es? Und dann, ganz plötzlich, realisierten wir es: Niemand trägt eine Maske! Wir sahen plötzlich neben unbewegten Gesichtern auch lachende oder Männer mit Bärten, Schnauzer oder 3-Tage-Stoppeln. Nasenpiercing? Lippenstift? Zahnspange? Endlich wieder echte Gesichter! Wahnsinn! Wir mussten noch direkt vor Ort im Supermarkt ein Familienfoto machen. Islands Inzidenz war inzwischen so niedrig, dass bereits am 25. Mai die Maskenpflicht gelockert worden war. Wir haben es im abgelegenen Hólmavík einfach 3 Tage lang nicht mitbekommen. 🤷‍♂️

Der Fagradalsfjall ruft – nichts wie hin zum Vulkan!

Den Vulkanausbruch verfolgten wir ja schon länger und hatten bereits ernsthaft überlegt, von unserer 2. Unterkunft aus einen Abstecher zu machen. Die Rauchsäule war am Himmel deutlich zu erkennen, und nach Sonnenuntergang glühte es auch ein wenig am Horizont. Die lange Fahrtzeit hielt uns dann aber doch davon ab. Rückblickend hätten wir es auf jeden Fall machen sollen, aber hinterher ist man ja immer schlauer.

Aber jetzt sind wir ja hier, nur einen Katzensprung entfernt, und die Sonne lacht. Gibt es irgendwelche offiziellen Warnhinweise? Wie kommen wir am besten zum Vulkan? Alles sieht soweit eigentlich ganz gut aus, also ins Auto und ab die Post. Noch schnell ein letzter Kaffee- und Klostopp in Grindavík, man weiß ja nie, und schon sind wir da: am glühenden, Lava speienden Fagradalsfjall. An dieser Stelle möchte ich einmal die isländischen Behörden loben, wie hier alles organisiert und abgesichert ist: einfach vorbildlich. Immerhin geht es hier ja um ein potenziell gefährliches Ereignis, aber um den Menschen trotzdem ein bestmögliches Erlebnis zu ermöglichen, wurden hier auf die Schnelle Wanderwege, Markierungen, Absperrungen, Parkplätze, Infoposten und was sonst noch vonnöten ist, auf die Beine gestellt. 

Glühende Lava und ein brodelnder Krater

Vom Parkplatz aus ging es los in Richtung der aufsteigenden hellgrauen Wolken. Noch kann man außer diesen nichts weiter sehen. Wir ließen den offiziellen „Eingang“ und eine clevere Netflixwerbung hinter uns und liefen schnurstracks einen Pfad bergauf. Oben angekommen, konnten wir im Tal schon das Ende eines Lavastroms sehen, und nach weiteren 10 Minuten hörten wir nicht nur das laute Brodeln, sondern sahen den tobenden Fagradalsfjall endlich. Da erhob er sich mit seinem dampfenden und glühenden Kessel randvoll mit flüssiger Lava. Er hatte wohl gerade Pause, denn es wurde ruhiger und die Rauchsäule wurde kleiner. Also liefen wir erstmal hinunter, um uns das Ende der 2. Lavawalze aus nächster Nähe anzuschauen. 

Eigentlich war der Bereich abgesperrt, aber das merkten wir erst später, weil die Absperrbänder bereits abgerissen waren. Die dicke anthrazitfarbene Kruste knackte und knisterte überall, es war heiß und in den Rissen glühte es rotorange. Wahnsinn! Und obwohl der dickflüssige Lavabrei scheinbar stillstand, konnte man bei genauem Hinschauen sehen, dass dies täuschte. Ganz langsam bewegte sich der glühende Fluss immer weiter, Zentimeter um Zentimeter. Fritzis Adleraugen entdeckten auf dem Boden Vulkantränen: kleine, federleichte und sehr zerbrechliche Lavagebilde in Tränenform. Diese sammelten Pauline und Fritzi ganz schnell ein und verpackten sie sorgsam in Taschentüchern, weil sie sehr fragil waren. 

Vulkantheater aus der ersten Reihe – die Erde bebt!

Plötzlich jedoch wurde das Grollen lauter, und es lief seitlich rot glühende Lava am Krater heraus und kurzer Zeit später schoss explosiv in 2–3 Stößen die Lava in die Höhe. WOW! Wir wollten näher ran! Wir rannten fast den letzten Hügel hoch bis zur Kuppe und waren mit einem Mal im besten Vulkantheater, welches man sich so vorstellen kann. Die natürliche Tribüne war weit genug weg, um in Sicherheit zu sein, aber nah genug, um das Grollen und die Hitze hautnah zu spüren. Wir hatten den Wind im Rücken, sodass giftige Dämpfe keine Gefahr darstellten, und die Sicht war so unglaublich gut, dass wir fast in den Krater hineingucken konnten. Wie paralysiert setzten wir uns hin und genossen diese unglaubliche Vorstellung. 

Ca. alle 10 Minuten kam eine Eruption, manche stärker, manche weniger stark. Vor jedem Ausbruch bebte der Boden ein wenig, die Lava im Kessel brodelte stärker und kochte beinahe über, und kleine, aber deutlich spürbare Hitzewellen strömten bis zu unseren Logenplätzen und wärmten uns. Zu krass! Wer hätte gedacht, dass wir auf unserer Reise gleich 2 Vulkanausbrüche erleben dürfen? Nachdem ich 1000 Fotos geschossen hatte und wir etliche Eruptionen erleben konnten, machten wir uns langsam auf den Heimweg. 

Ein Naturschauspiel, das wir nie vergessen werden

Uns allen war klar, dass wir nochmal wiederkommen müssen. Ein Besuch reicht bei solch einem Spektakel nicht. Wir saßen dort oben, umgeben von glühender Lava, und haben live erlebt, wie sich Natur verändert. Nie wieder wird der Fagradalsfjall so aussehen wie am Morgen, als wir aufgeregt in Reykjavík starteten. Lange wird es wohl nicht mehr dauern, bis die Lavaströme links und rechts des Hügels aufeinandertreffen und somit den Zugang zur Tribüne unmöglich machen, weil sie ihn komplett umschließen. Na, hoffen wir mal, dass wir wenigstens noch 3 weitere Tage Zeit haben. 🤞


Mehr Wasserfälle, Gletscher, Vulkane und Abenteuer gibt es in unseren Island Reiseberichten.


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