Xiulien – das Tor zur Taroko-Schlucht
Im Osten Taiwans, nahe der Stadt Xiulien befindet sich der Taroko Nationalpark mit einer 19km langen Marmorschlucht: der Taroko-Schlucht. Mit ihr begann für uns nach einer mehrwöchigen Fahrt durch begrünte Berge, sanft ins Tal abfallender Teeplantagen und entlang ausgedehnter Sandstrände die Reise durch das landschaftlich recht raue Taiwan entlang der Ostküste. Die aufragenden Felswände, der wilde Liwu-Fluss, verschiedenste Wasserfälle, Tempel und Pagoden wirkten einfach atemberaubend. Leider sind große Bereiche des Parks mit vielen Highlights nach wie vor für den Straßenverkehr als auch für Wanderungen gesperrt, doch lohnt sich ein Besuch allemal. Nach unserer Ankunft wanderten wir zuerst den Trail am Parkeingang hinauf und konnten so schon vorab von den verschiedensten Aussichtsplattformen einen Blick über das Tal bis hin zum Meer genießen. Dies machte tatsächlich Lust auf mehr und so buchten wir spontan eine Unterkunft nahe des Eingangs, um am folgenden Tag die Schlucht zumindest soweit zu erkunden, wie es die derzeitigen Einschränkungen noch erlauben.

Kontraste in Xiulien
Abends schlenderten wir durch Xiulien und schlürften bei einem netten älterem Ehepaar in einem schlichten „Restaurant“ eine leckere Suppe (Ramen) und kauften eine handgepflückte Pomelo für umgerechnet etwa 20 Cent. Unser Frühstück am nächsten Tag hingegen war das komplette Gegenteil. Im kleinsten Café unserer bisherigen Reise tranken wir den teuersten Kaffee aller Zeiten (7,50 €) beim netten, jedoch selbstverliebtesten Barrista, den wir je getroffen haben. Das gesamte Caféchen war gepflastert mit seinen Selfies, 80% davon aus seinen jungen Jahren. Wir fanden diese Kontraste sehr witzig, ärgerten uns nur ein wenig darüber, dass er mit seinem überteuerten Kaffee ein Vielfaches dessen verdient, was unser gestriges Päärchen gänzlich uneitel mit hausgemachter Suppe einnimmt. Naja, wir waren ja auch Teil des Problems, denn das „Restaurant“ hatten wir einfach so entdeckt. Dem Ruf nach einem guten Kaffee zum Frühstück hingegen folgten wir über die Google-Rezensionen und erneut mussten wir feststellen, dass diese nicht wirklich sachlich die Realität widerspiegeln, sondern eher geprägt sind von persönlichen und emotionalen Eindrücken. Dies ist auch in Ordnung, muss man nur berücksichtigen.

Taroko-Schlucht – wild, schön und widerspenstig
Einem strengen Zeitplan folgend werden die Straßen mehrmals am Tag in eine Richtung geöffnet, so dass wir uns nach dem kleinen Frühstück der Eitelkeiten vor dem Tunnel am Parkeingang in eine Schlange wartender Fahrzeuge einreihten. Pünktlich um 10:00 Uhr wurde die Zufahrt geöffnet und wir fuhren die gesamten 21km staunend durch die Schlucht. Diesmal hatte das Internet nicht zu viel versprochen: Die einspurige Straße schlängelt sich am türkisfarbenen Fluss Liwu entlang, links und rechts gesäumt von steil aufragenden hellgrauen Felsen. Manchmal zeigen sich noch deutlich die Spuren vergangener Erdrutsche bis hin zu zerstörten Leitplanken. Durch die vielen kleinen und tiefen Tunnel hatten wir manchmal das Gefühl auf einem dünnen Faden durch verschiedene Nadelöhre zu gleiten, um am Ende in einem kleinen Dorf, in Tianxiang anzukommen. Dort parkten wir inmitten neugieriger Affen und erkundeten von dort aus die Umgebung. Nacheinander liefen wir die drei gestatteten Trails ab und stießen dabei z.B. über dem Dorf auf eine größere Makaken-Familie mit starken Beschützerinstinkt, die uns fast zum Umkehren zwang. Heil wieder unten angekommen klaute mir erneut ein hungriger Makake beinahe mein Brot, welches ich nur kurz im Auto aus der Tüte holte. Allerdings hatte ich vergessen, die Tür ganz zuschließen, als das Männchen schon angeflitzt kam. Geistesgegenwärtig zog ich diese zu und sah, wie er enttäuscht, aber unverletzt vom Auto abließ. Puh, das war knapp. Ich hatte schon befürchtet, dass er sich seine Hand eingeklemmt hatte.




Was kann man noch so entdecken?
Es gibt noch einen schönen, doch leider recht kurzen Weg über die Hängebrücke, welche zum Xiangde Tempel hinaufführt. Hier fließt der Dasha River in den Liwu, was für ordentliches Getöse und Unmengen Wasser und Stromschnellen im Flussbett sorgt. Die Wege und damit auch Aussichtspunkte rund um den Tempel waren nur begrenzt zugänglich, weil doch viele Bereiche restauriert wurden. Das war natürlich etwas schade, weil man ja gerade den Blick von dort oben in das Tal hinein genießen möchte. Trotzdem hat es sich gelohnt, denn die Atmosphäre inmitten der Schlucht ist schon speziell, mystisch irgendwie. Nach 2 1/2 Stunden ging es dann wieder auf dem selben Weg zurück nach Xiulien. Wir warteten, bis die 12:00 Uhr Schlange durchs letzte Nadelöhr ankam und schlängelten uns dann langsam Richtung Parkausgang. Xiulien war für uns das Tor zu einer Landschaft, die wilder und rauer wurde, je weiter wir in die Taroko-Schlucht vordrangen. Lohnt sich trotz der Sperrung ein Besuch? Auf jeden Fall! Wir fanden trotz des leicht erhöhten Planungsaufwands allein die Fahrt bis Tianxiang einmalig.





