Taiwan zwischen Naturschönheit, Konsum und digitalem Alltag
Taiwan zwischen Naturschönheit, Konsum und digitalem Alltag

Taiwan zwischen Naturschönheit, Konsum und digitalem Alltag

In diesem Reisebericht über Taiwans Schattenseiten und Lichtblicke nehmen wir euch mit auf eine Reise durch ein Land, das in keine Schublade passt. Wir haben natürlich wunderschöne Momente erlebt: Taiwan bietet tolle Landschaften, wie den Dschungel, das tosende Meer mit seinen Steilküsten oder das 350 km lange Gebirgsmassiv. Doch wer genau hinsieht, erkennt auch die Kehrseite. 

Plastikfluten: Ein Reisebericht über Taiwans Schattenseiten der Infrastruktur

Taiwans Infrastruktur ist eigentlich ganz gut, nur leider wirkt alles häufig an vielen schönen und daher ziemlich touristischen Orten, wie bspw. dem Sonne-Mond-See, im Alishangebirge und in Kenting (Strandurlaub) oder in Jiufen äußerst überstrapaziert. Nachhaltigkeit und Erhalt der eigenen Kultur spielen kaum eine Rolle und der Preis dafür ist vielerorts hoch. Oft wirken die Orte verdreckt, die Bewohner werden des Verpackungsmülls nicht mehr Herr, den sie überall mitgeben. Essen wird einzeln verpackt, jede Frucht und jedes Stäbchen erhält eine eigene Plastiktüte, wenn man es zulässt. Große Wasserflaschen sind kaum zu finden, stattdessen werden die Formate der Flaschen und Dosen kleiner und kleiner. Mülleimer? Diese sind so schwer zu finden wie gut versteckte Eier zu Ostern. Müll türmt sich am Straßenrand, an den Stränden, im See. Das empfanden wir als ziemlich bedrückend. 
Besonders aufgefallen ist es uns, als wir ein Dorf der Thaos besuchten. Die Menschen lebten dort quasi in zerfallenen Wellblech-Holzhütten, die von Schutt und Müll umgeben waren, saßen oder lagen auf zerschlissenen Sofas und Stühlen, scrollten Insta-Videos oder zockten und ein paar Kinder sangen lauthals metallisch klingende Songs mit Hilfe einer kaputten Karaokebox. Von ihren kulturellen Wurzeln zeugten für unsereins nur noch die Wandgemälde entlang der Straße, ein paar Infotafeln und ein absurd anmutender Freizeitpark im Touristenzentrum der Gegend, der einem die Kultur (Kunsthandwerk und Architektur) näherbringen sollte, stattdessen aber nur Kitsch und Rummelfeeling bot.

Wenn Kleinkinder nicht mehr offline sind: Digitaler Alltag in Taiwan

Dies fiel uns tatsächlich häufig in Taiwan auf. Wenn wir es schon kritisieren, dass die Kinder und Jugendlichen viel am Handy hängen, so steht das in keinem Verhältnis zu unseren Beobachtungen in Taiwan. In Restaurants, Bussen und Bahnen haben wir beinahe ausnahmslos beobachtet, dass selbst Einjährige ein Tablet bekommen, um darauf Filme zu gucken oder zu spielen. Zudem teilen sich nicht 2 Kinder 1 Tablet, nein, jedes Kind hat eins. Kaum jemand schaut verträumt in der Gegend herum, spricht mit seinem Nachbarn oder liest, worin auch immer. Es war erschreckend, weil ich mich natürlich immer frage, wohin das führt. Was wird das für eine Generation Erwachsener? Taiwan ist ja derzeit führend in der Chip-Produktion und eine führende Nation in der globalen Informations- und Kommunikationstechnologiebranche, aber zu welchem Preis? Ich bin gespannt, wie sich diese Omnipräsenz der Kommunikationstechnik, auch schon bei den Jüngsten, in den kommenden 10 Jahren auswirkt. 

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