Kuta Lombok: Zwischen Traumkulisse, Chaos und bitterer Realität
Kuta Lombok: Zwischen Traumkulisse, Chaos und bitterer Realität

Kuta Lombok: Zwischen Traumkulisse, Chaos und bitterer Realität

Der erste Eindruck: Zwischen Idylle und Ernüchterung

Wenn ich mich an Kuta erinnere, habe ich irgendwie gleich 1000 Gedanken in meinem Kopf und muss kräftig ausatmen, denn das ist eine kleine, wuselige Stadt an Lomboks südöstlicher Küste, die mich einfach nur stresste, in jeder Hinsicht. Als wir langsam von einem der umliegenden Hügel hinunter nach Kuta fuhren, blickten wir von oben auf scheinbar viel Grün, bunte Blütenprachten und typische Bambusarchitektur. Je näher wir in die Stadt fuhren, desto chaotischer wurde es jedoch. Die Blütenpracht der umliegenden Hotelressorts verschwand so langsam, die einzigen Bambuskonstruktionen waren Baugerüste, die Straßen wurden immer dreckiger und schlammiger. Links und rechts waren diese auch von kleinen Verkaufsständen gesäumt, wie ich sie noch vom polnischen Grenzmarkt an der Ostsee in den 2000ern erinnere. Dies war alles noch eher interessant, anders eben.

Verkehrschaos und Alltag auf den Straßen

Womit ich bei 30 °C im Schatten aber überhaupt nicht zurechtkam, war das laute Verkehrschaos aus Lastern, GrabCars, lauten Mopeds, die teilweise von Kindern (auch denen der Touristen) gefahren wurden, und Fußgängern. Es gab teilweise keine Straße, sondern nur einen staubigen Weg für alle. Waren asphaltierte Wege vorhanden, so hatten sämtliche Fahrzeuge hier Vorfahrt, und als Fußgänger musste man sich „einfach“ an Straßenhunden vorbei, seinen Kopf von links nach rechts rotierend, schrittweise über die Straße oder eben an ihr entlang kämpfen. Aber auch darüber mag manch hartgesottener Tourist hinwegschauen können, wenn man es unter der Kategorie „andere Länder, andere Sitten“ verbucht.

Das „neue Goa“? Ein kritischer Blick

Ein paar Rezensionen und Gesprächen zufolge schwärmen einige regelrecht für diesen Ort, halten ihn für das neue Goa oder so. Da bin ich jedenfalls raus. Jeder macht scheinbar, was er will, finanzielle Mittel eröffnen hier die Freiheit, die manche mit den Möglichkeiten einer „individualisierten traumhaften Lebensgestaltung“ verwechseln. Wer es sich leisten kann, der wohnt ruhig im Grünen am Ortsrand in einem luxuriösen, illegal errichteten Architektenhaus mit allem Pipapo. Diese „Hippies“ können es sich auch leisten, täglich Frischwasser zu kaufen, weil das Wasser in Kuta nicht nur untrinkbar ist, sondern auch der Grundwasserspiegel infolge der „Überbesiedelung“ jährlich bedrohlich sinkt. Was jedoch ebenso verlässlich steigt, sind die Preise.

Wer wirklich vom Tourismus profitiert

Eine vermeintliche Partystadt zieht eben viele Touristen an, ein versprühter Hauch von Freiheit lässt sie länger bleiben. Diese bringen Geld in die Kassen, allerdings nur denjenigen, die selbst dort irgendwann strandeten, sich in den Ort und das Easy Life verliebten und dort ihr Business eröffneten. Meistens sind es Läden wie bei uns in Hamburg-Eppendorf oder in der Schanze: überteuerte Klamotten, Schmuck (teuer aussehend, billig bei Temu oder AliExpress eingekauft), Souvenirs mit lokalem Design, jedoch made in China. Wenig Geld kommt tatsächlich bei den Einheimischen an. Wer es hier weit gebracht hat, ist Grabfahrer mit eigenem Auto bzw. Moped oder Eigentümer eines Straßenstandes, der billig importierte Surferkleidung anbietet. Wir haben genau einen Laden entdeckt, der Dinge von den Locals verkauft und auch von eben diesen geführt wird. Hoffentlich gibt es irgendwann mehr davon.

Kinderarbeit mitten im Urlaubsparadies

Wer jedoch zahlt letztendlich den Preis für dieses Ungleichgewicht? Auf den Straßen laufen viele Kinder herum und verkaufen von morgens bis abends kleine, billige Armbänder (Temu? AliExpress?). Es sind Kinder im Alter von etwa 4 bis 10, die in der Hitze barfuß und hoffnungsvoll ihre Waren anbieten. Die Mädchen natürlich meist vorbildlich verschleiert und mit langer Abaya (langes Überkleid), egal ob 20 °C oder 30 °C im Schatten.

Eine Begegnung, die bleibt

Marcus und ich schafften es irgendwann in einen Supermarkt. Dort kauften wir uns einen kleinen Snack und setzten uns, angenehm von der Klimaanlage gekühlt, ans Fenster, um hier das Treiben draußen zu beobachten. Genau vor uns saßen an einem kleinen Tisch zwei kleine Mädchen und stritten sich, sanft, aber bestimmt. Vor ihnen lagen die typischen Brettchen mit den befestigten Armbändern.

Nach ein paar Minuten verstanden wir, dass sie über ihre Lebensmittel diskutierten: 2x Weintrauben, 2x Eier, 2x Reis, 1x Wasser und einen Riegel. Genau dieser war der Grund ihres Streites. Eines der Mädchen hatte einen Riegel bekommen, die andere nicht. Diese war nun traurig, weil die Lütte diesen auch offensichtlich nicht teilen wollte und ihn in ihrer kleinen, mit Muscheln verzierten Umhängetasche aus Bast verschwinden ließ. Gleichzeitig hatte sie scheinbar auch ein schlechtes Gewissen, denn sie schob nun die Weintrauben hinüber, als würde sie dieses Ungleichgewicht nun damit ausgleichen wollen. So ging es eine ganze Weile hin und her.

Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und setzte mich zu den beiden. In der Hoffnung, dass sie etwas Englisch verstehen, fragte ich, warum sie so traurig wären. Die Mädchen verstanden mich sehr gut und antworteten auch ganz empört, bestätigten unsere Beobachtung. Sie hätten Armbänder verkauft, dann mit dem Erlös die Lebensmittel geholt, und die jüngere der beiden habe dann auch noch einen Riegel bekommen, den sie nun nicht teilen wollte. Sie waren erst 7 und 11, sahen aber noch viel jünger aus. Leider habe ich ihre Namen vergessen, obwohl mich diese Szene so berührte. Wir haben uns dann ein wenig unterhalten, und sie erzählten mir, dass sie eigentlich (!) auch zur Schule gehen und danach (?) eben das Geld verdienen.

Sie fanden es beide sehr ungerecht. Nicht, dass sie arbeiten müssen, statt zur Schule gehen zu dürfen – das war normal in ihren Augen, das machten ja alle. Ihr größeres Dilemma war, dass sie nur einen Riegel hatten, der aus Sicht des älteren Mädchens geteilt werden sollte, aus Sicht der Jüngeren jedoch von ihr verdient war und somit unteilbar, bei aller schwesterlicher Liebe. Lebensmittel hatten die beiden ja schon für die Familie gekauft, also lösten wir das Dilemma und wollten nur ihnen persönlich eine Freude machen. Im Laden kauften wir ihnen drei Riegel ihrer Wahl, sodass jede am Ende zwei hatte.

Die beiden Mäuse waren so sanft und lieb, hatten aber schon so viel Verantwortung aufgehalst bekommen und mussten jeden Tag durch staubige Straßen ziehen, um diese dämlichen Armbänder zu verkaufen. Später begegneten wir ihnen noch einmal, und sie kamen erschöpft, aber freudig auf uns zu und schnatterten noch kurz. Ihre Lebensmittel schleppten sie natürlich nicht die ganze Zeit mit herum. Diese wurden zwischendurch abgeholt und beide Mädchen wieder losgeschickt. Kuta wurde mir immer unsympathischer…

Wo waren unsere Stopps nochmal? Auf dieser Karte (FindPenguins) markieren wir unsere komplette Reiseroute 2025/2026 live, von Japan über Taiwan, Singapur, Malaysia, Indonesien, Australien, Neuseeland, Tahiti und ??? 

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