Santubong* Nationalpark – ein Aufstieg zum höchsten Gipfel der Region
Wenn wir schon keine zweitägige Wanderung auf den Gipfel des Kinabalus in Sabah (4095m) machten, so wollten wir uns zumindest ein wenig Kuching und die Umgebung von oben anschauen. So versprachen es zumindest die Erfahrungsberichte einiger Reisender. Der Gunung Santubong (Gunung= Berg) ist das markanteste Wahrzeichen der Damai-Halbinsel in Sarawak. Die Besteigung gilt als anspruchsvoll, da der Weg fast auf Meereshöhe beginnt und besonders im oberen Drittel extreme Steilstücke aufweisen soll. Wir waren gespannt. Route auf Alltrails
Wie hoch können schon 810m sein?
Das haben wir uns auch gefragt, vor allem nachdem wir ganz unterschiedliche Berichte dazu gelesen hatten: reine Bewegungszeit 2,5 Stunden, Dauer insgesamt 6-10 Stunden, Anmeldeschluss für die Wanderung am Parkeingang bereits 9:00 und Wanderung mäßig bis schwierig eingestuft? Sandalen verboten! Was sollte das denn für ein Weg sein?
Seit langem stellten wir den Wecker mal wieder auf 7:00 Uhr morgens. So starteten wir rechtzeitig gegen 8:00 Uhr nach einem guten Frühstück und mit ausreichend Proviant Richtung Santubong. Bereits jetzt war es recht warm und schwül. Wie sollte es denn erst im Dschungel gegen Mittag werden? Hoffentlich reichten 3 Liter Wasser pro Person aus. Die wollten ja auch erstmal bergauf geschleppt werden, nebst Regenjacken, Essen, Sonnencreme, Mückenschutz, Kamera (armer Marcus)…

Unser erstes Ziel: der Permai Wasserfall
Nach unserer unkomplizierten Anmeldung und einen letzten Besuch der sehr einfachen Toilette verschwanden wir schon im dichten Dschungel. Zuerst folgten wir einem kleinen Pfad entlang des Flusses und da es im Regenwald immer feucht ist, waren bereits hier die Wege an einigen Stellen ganz schön matschig. Doch es machte uns richtig viel Spaß und war ein wenig abenteuerlich. Überall hörten wir verschiedenste Vögel, auch Hornvögel oder es begleiteten uns Makaken, sich hoch oben in den Wipfeln von Baum zu Baum hangelnd und rufend. Außerdem hatten wir ja eine Mission: ein Stück Borneos von oben überblicken.



Nach etwa 40 Minuten erreichten wir den Permai Wasserfall. Dafür mussten wir an einem rutschigen Seil ein kurzes Felsstück hinabklettern. Der Wasserfall ist recht klein und hübsch anzusehen, vor allem aber konnten wir uns da Hände und Arme etwas abkühlen.
Höhenangst versus Ehrgeiz: 2,5 Stunden „Leiterspiel“ live
Nach 5 Minuten folgten wir dann auch schon einem noch schmaleren Pfad auf der anderen Seite des Flusses, der uns zum Aufstieg führen sollte. Nach etwa 30 Minuten erreichten wir ein Schild mit dem Hinweis, dass es von nun an noch 2 Stunden und 30 Minuten bis zum Gipfel wären.
Als wir so davor standen und hinaufsahen wurde uns schon bewusst, dass es jetzt richtig anstrengend wird. Es schien nur noch steil bergauf zu gehen und wir hatten jeder doch bereits 1 Liter Wasser verbraucht.
Nun gut, wir wollten es versuchen, nahmen uns aber vor abzubrechen, sobald Marcus Höhenangst bekommen sollte oder einer von uns nicht mehr konnte. Auf dem Weg befanden sich immer wieder Markierungen (F2 bis F?), die uns gut motivierten. Nun kletterten wir den schmalen und teilweise rutschigen Pfad hinauf, hielten uns an Wurzeln fest, bewältigten ab Checkpoint F7 einige Höhenmeter über teilweise wackelige, meistens jedoch recht stabile hohe Leiterkonstruktionen ( 19 bis 20 vertikale Metall- und Strickleitern sowie Seile). Meine Bewunderung galt hier auf jeden Fall Marcus, der sich trotz der Höhenangst Stufe um Stufe hinaufkämpfte.



Der Aufstieg zum Gipfel: Leitern, Schlamm und Adrenalin
Grundsätzlich war es eigentlich beim Aufstieg kein Problem die erste Sprosse der Leitern zu betreten, sondern vielmehr sich an den teilweise schlammigen Sprossen gut festzuhalten und vor allem am Ende der Leiter sicher abzusteigen. Wir hatten manches Mal das Gefühl, einfach in der Luft zu hängen, weil kein Ast oder so zum Greifen in der Nähe war. „Oh man, wenn wir hier abrutschen, fallen wir tief und unsere Reise ist vermutlich vorbei und das ist dann noch der glücklichere Ausgang.“ Solche und ähnliche Gedanken mussten wir einfach beiseite schieben, wieder ein wenig mutiger sein als in unserem normalen Alltag zu Hause.
Zudem war es ein wenig wie die Wanderung zum 701er auf Langkawi, irgendwann legte ich die Scheu vor Insekten und Schlangen ab, die sich möglicherweise im Unterholz oder an den Bäumen genau dort befanden, wo ich Halt suchen musste. Halt war erstmal wichtiger! Ich muss schon ehrlich sagen, dass dieser Aufstieg von „nur“ 810m eine echt sportliche Herausforderung war, aber ebenso viel Spaß machte und wir jede Menge Adrenalin ausschütteten. Es war schon abenteuerlich!


Gipfelglück auf 810 Metern: Aussicht über Borneo
Hin und wieder erhaschte man einen Blick ins Umland, auf den Pazifik oder die Flüsse, welche den dunklen Regenwald durchziehen. Das entschädigte für die Anstrengung und motivierte für den Rest der Strecke. Nach der 20. Leiter meisterten wir es einen erneuten kurzen Abstieg und noch steileren Aufstieg und hatten es endlich geschafft! Der Wald lichtete sich und wir waren bereits nach 1 Stunde und 45 Minuten schweißgebadet und mit zitternden Beinen auf dem Gipfel des Santubong angekommen. So fühlten wir uns auch, erschöpft, aber glücklich.
Wir wurden fröhlich und offen von anderen einheimischen Berg“steigern“ begrüßt, die ganz fasziniert von Paulines Körpergröße waren 😂. Wir genossen bei einer kleinen Stärkung einen tollen 360° Rundumblick und hätten uns mit etwas Bargeld sogar einen ZUS-Kaffee, Wasser oder eine Cola gönnen können. Hier standen im Schatten 2 Thermoboxen mit einer Preisliste und Kasse des Vertrauens, aus denen man sich bedienen konnte. Zudem gab es hier eine große Mülltüte. Beides fanden wir schon sehr besonders und hatten das in dieser Art in Asien noch nicht erlebt.



Eins mit der Natur
Der Abstieg war bis zum Ausgangspunkt ebenso abenteuerlich, zumal wir uns manchmal wie kleine Äffchen hinunterhangeln mussten. Unterwegs kam ich auch hier und da mit anderen Wanderern ins Gespräch, die meistens wissen wollten, was uns hier nach Borneo auf diese Wanderung verschlagen hatte. Einige sprachen etwas Englisch und freuten sich sehr, wenn ich sie verstand. Solche Begegnungen mag ich ja auch sehr und freue mich, wenn sie mir auch von sich erzählen. Eine junge Frau bspw. war eigentlich Studentin, musste nun aber im Familienbetrieb mithelfen. Ihr großer Wunsch war es, einmal Europa zu besuchen und sich Paris anzuschauen.

Die letzte Stunde des (fast) Rundwegs führte uns wieder auf die Hauptstraße, welche zum Parkeingang führt. Glücklicher Weise ergatterten wir hier zügig ein Grab. Nach etwa 7 Stunden seit unserem Start ließen wir uns erschöpft und glücklich „nach Hause“ fahren. Dort duschten wir uns schnell, zogen uns um und fuhren zur Mall, wo wir uns ein leckeres Mahl gönnten. Was für ein krasser Gegensatz: eben noch sportliche Höchstleistung (für uns ;)) im Dschungel Borneos erbringen und dann schwupps ins Restaurant inmitten einer modernen cleanen Shoppingmall und lecker essen. Verrückt!
*Einer Legende des malaiischen Volkes zufolge kamen zwei wunderschöne Töchter Gottes, Prinzessin Santubong (Puteri Santubong) und Prinzessin Sejenjang (Puteri Sejenjang), vom Himmel herab, um ihre jeweiligen Berge hier in Sarawak zu beschützen, nämlich den Berg Santubong und den Berg Sejenjang.
Wo waren unsere Stopps nochmal? Auf dieser Karte (FindPenguins) markieren wir unsere komplette Reiseroute 2025/2026 live, von Japan über Taiwan, Singapur, Malaysia, Indonesien, Australien, Neuseeland, Tahiti und ???
