Von Tūrangi nach Mordor: Auf zum Tongariro Alpine Crossing
Etwa 4 1/2 Stunden Richtung Norden fuhren wir ab Wellington bis Turangi. Von dieser Kleinstadt aus planten wir unsere 20,2km Tour in Saurons Reich. Ja genau, diese schroffe Vulkanlandschaft mit ihren Kratern, den 3 türkis-grün-gelb leuchtenden Emerald Seen und heißen Quellen war die Filmkulisse in Tolkiens Epos „Herr der Ringe“. Nur so viel vorab: Wenn man vor Ort ist, wird einem klar, warum eigentlich nur hier in genau dieser wilden, düsteren und zugleich wunderschönen Landschaft diese Szenen gedreht werden konnten.
1. Durch die Vulkanlandschaft von Mangatepopo zu den Soda Springs
Der TAP– Trail ist kein Rundweg, also parkten wir unser Auto kostenlos am eigentlichen Ende der Wanderung, auf dem Parkplatz (Ketetahi) neben der Hauptstraße. Wie viele andere ließen wir uns von hier mit dem vorab gebuchten klapprigen Shuttlebus (ca. stolze 30€/Person) um 8:00 Uhr abholen und die etwa 20 Minuten durch den Morgennebel nach oben zum Startpunkt Mangatepopo fahren. Die noch schnell nach dem Weckerklingeln gecheckte WetterApp sollte recht behalten: Hier lichteten sich die Wolken bereits.



Nach einer kleinen Pipipause beim unisex DIXI- Klo (2 für etwa 100 ankommende Wanderer 🤔) machten wir uns auf zum ersten Etappenziel Soda Spring. Auf einem topp prepariertem Holzweg liefen wir mit Fotopausen etwa 1 Stunde sehr entspannt durch die Ebene der Vulkanlandschaft und weil die Sonne hier nun windgeschützt ins Tal schien, pellten wir uns so langsam aus unseren Winterklamotten.
Vom entspannten Spaziergang zur „Devil’s Staircase“
Die recht unspektakuläre kleine Quelle schauten wir uns auf Grund der vielen Menschen und des dadurch matschigen Bodens nicht aus dichtester Nähe an, sondern drehten kurz vorher wieder um und folgten dem Pfad Richtung South Crater. Ab den Toiletten quasi neben der Quelle hat es der Weg dann auch tatsächlich in sich. Völlig berechtigt weisen bereits die Schilder im Park darauf hin, dass es von nun aus richtig anspruchsvoll wird.
Was also wie ein netter Spaziergang begann, wird nun zur konditionellen Herausforderung. Viele, viele Stufen mussten wir erklimmen. Wir sind seit Beginn unserer Reise wieder sehr viel gewandert und fühlten uns wirklich fit, aber wie die meisten Mitwanderer fieberten wir hier trotz des immer wieder tollen Fernblicks drumherum dem Etappenziel entgegen. Wir schwitzten von innen und durch den Wind wurde es wieder kühl von außen. Klamotten an, Klamotten aus, Klamotten an… . Nach etwa 45 Minuten oben angekommen war eines klar: diese Etappe verdiente ihre Kategorie „anspruchsvoll“!



South Crater und Red Crater: Jetzt wird es richtig alpin
Wir genossen unser Picknick nach dieser Etappe etwas ausführlicher, tankten neue Kraft für den letzten Aufstieg und schon ging es weiter. Diese rauhe Landschaft war schon wirklich beeindruckend: auf der einen Seite Fernblick ins Tal, dann rechts den südlichen Krater und geradezu das nächste scheinbar in den Himmel aufragende Ziel, der Rote Krater. Diesen Abschnitt brachten wir zur Hälfte sehr zügig hinter uns, vorab mit einem kleinen Abstecher zum gelben Kratersee (etwa 20 Minuten). Und dieses kurze Stück hatte es neben dem eisigen Wind (und das bei super Wetter!) doch nochmal in sich.




„100,99,98,97…“, zählte ich wieder meine Schritte, um in dieser Höhe trotz der Anstrengung ruhig zu atmen und mich nicht von pausierenden oder absteigenden Besuchern aus dem Takt bringen zu lassen. Wie eine Bergziege läuft man immer den schmalen Pfad an den Felsen entlang und ist dem Wind ausgesetzt. Der ist nicht gefährlich, also auch mit Höhenangst (Marcus) machbar, aber eben durch das Geröll etwas rutschig. Am Red Crater angekommen, blickt man hinein in die teils knallgrün bewachsenen Tiefen dieses tiefroten Schlunds.



Das Wetter spielte 100%ig mit, denn der Himmel war knallblau, die Sonne strahlte und all das vor dem Farbenspiel der Vulkane. Dieser Blick hat uns doch selbst als eingeschworene Islandfans schwer beeindruckt. Nun galt es noch die zweite (kürzere) Hälfte dieser Etappe, hinauf auf den Gipfel zu schaffen, quasi den Scheitelpunkt der Wanderung. Dieser Abschnitt war doch ziemlich angenehm. Nach nur 10 Minuten stetig, aber mäßig bergauf, standen wir auf dem Gipfel und genossen einen fantastischen 360° Rundumblick. WOW!
Emerald Lakes, Blue Lake und ein internationales Gipfel-Picknick
Sobald man den Gipfel erreicht ist es nicht nur ein wunderschöner, sondern zugleich auch witziger Anblick. Mit dem Blick Richtung der Emerald Lakes gab es oben quasi ein riesiges internationales Picknick. Glücklich dreinblickende und verschwitzte Wanderer aller Herren Länder saßen da genüßlich kauend, trinkend oder schnatternd die Gesichter in die Sonne gestreckt. Hier war erstmal Pausieren und Genießen angesagt. Nun gut, dann machten wir auch. Dieser friedliche Anblick war für mich wirklich einer der schönsten Momente dieser Wanderung. Geht doch mit dem Frieden und der Herzlichkeit zwischen fremden Kulturen!



Vom Red Crater ins Rutschvergnügen zu den Emerald Lakes
Leider ist nun auch jeder schöne Moment einmal zu Ende und wir mussten uns Richtung „Spiegel von Te Rangihīroa“, zu dem eisigen blauen Kratersee aufmachen. Dieser ist nur etwa 1km westlich vom Roten Krater und man wandert direkt daran vorbei, aber Achtung: Trittsicherheit ist bis zum Fuße des Red Craters auf jeden Fall wichtiger als Kraft! Wanderschuhe sind hier sinnvoller als Sneaker. Es ist eher ein Rutschen auf sehr lockerem Geröll inmitten vieler Menschen. Dabei kommt es immer wieder vor, das man unfreiwillig ins Gespräch kommt, weil sich plötzlich jemand an dir festklammert ☺️.



Es gab auch mindestens einen Wanderer, den richtig die Panik packte. Der junge Mann wollte sich nicht wirklich helfen lassen, sondern dies eher mit sich ausmachen und in eigenem Tempo in kleinsten Schritten (Rutschern) nach unten gehen. Er tat uns wirklich leid und wir hoffen, dass er nicht mit dem Hubschrauber nach unten gebracht werden musste. Wenn ihr also oben einen jungen Mann in weiß-grünen Sneakern trefft…😜.
Auf dem Weg zum Kratersee (mit mehreren Fotostopps etwa 45 Minuten) bestaunten wir noch die 3 faszinierenden und farblich doch recht unterschiedlichen Emerald Seen, die wunderbar schwefelig vor sich hin dampften. Spätestens bei diesem Geruch wird dir klar, dass du auf einer Vulkanlandschaft wanderst, die immer noch sehr aktiv ist.


Vom Blue Lake hinunter zum Ketetahi Parkplatz
Der blaue Kratersee lädt ein wenig zum Verschnaufen ein und wenn wir nicht gewusst hätten, dass er eiskalt ist, hätten wir uns darin doch gern inmitten dieser verzauberten Landschaft abgekühlt. Nun kam zwar der leichteste, doch ehrlich gesagt auch ein wenig der langweiligste Part. Es ging zwar die ganze Strecke nur bergab auf einem wirklich guten Pfad, aber außer ein paar heißer Quellen (nicht mehr zu besichtigen), ist es doch recht langweilig und zieht sich ungemein.

Die ersten 30 Minuten freut man sich noch über den herrlichem Fernblick in die Umgebung, doch nach einer Stunde hat man davon genug und freut sich über etwas Abwechslung, sobald der Weg wieder durch den Wald am Fluss entlangführt. Ständig hatten wir nach nun knapp 6 Stunden Wanderung das Gefühl: „Jetzt, hinter der nächsten Kurve sehen wir den Parkplatz.“


Als wir endlich am Ende des Tongariro Alpine Crossings ankamen und stießen wir erschöpft und erleichtert zugleich auf den Pou Whenua* (Wächterfigur= geschnitzter Pfahl). Hier erklärte mir ein wartender Māori die Bedeutung der Skulptur. Da meine Englischkenntnisse während dieser Wanderung scheinbar geschrumpft waren und mir die vielen Māori- Namen gar nicht geläufig waren, lächelte und nickte ich ehrlich gesagt meistens nur noch erschöpft und schloss meine kulturellen Wissenslücken dann später mit diversen KIs und Wiki.


Und wo ist jetzt eigentlich unser Auto?
Aber wo war das Auto? Nach meiner kurzen Kulturlektion mussten wir nochmals 2 km auf der Gravelroad bis zum Parkplatz laufen. Diese letzten Kilometer fand ich dadurch mental fast am anstrengendsten. Du denkst dein Ziel erreicht zu haben und dann geht es weiter auf einer öden Gravelroad. Jedoch mit so vielen wunderbaren Eindrücken des Tages im Kopf, lief es sich dann doch ganz gut und plötzlich hörten wir das Rauschen vorbeifahrender Autos. Da konnte doch unser Parkplatz nicht mehr weit sein. 🥳
Fazit: Ein 5-Sterne-Trail mitten in Mordor
Fazit: Dieser 5 Sterne-Trail ist wirklich ein Highlight der Insel und absolut zu empfehlen. Klar, er ist anstrengend, aber eher, weil er wirklich lang ist und nicht auf Grund zu schwerer Passagen. Wenn man sich also genug Proviant einpackt, morgens unbedingt die WetterApp checkt und sich nach dem Zwiebelprinzip anzieht, muss man sich einfach nur noch darauf einlassen. Belohnt wurden wir für diese Anstrengung (und ich war sogar leicht erkältet) mit tollen Ausblicken auf unterschiedlichste Naturschönheiten, die sich als kleine Etappenziele auf Weg entdecken lassen.
*Das Gebiet rund um den Tongariro gilt den Māori als heilig, besonders die Vulkanberge Tongariro, Ngauruhoe und Ruapehu. Die Skulpturen dienen als Wächter (Kaitiaki) über die Wanderer. Sie repräsentieren bedeutende Vorfahren und Geschichten der ansässigen Stämme Ngāti Tūwharetoa und Ngāti Hikairo ki Tongariro. Für diese sie sind die 3 großen Vulkane Tongariro, Ngauruhoe und Ruapehu) nämlich keine (leblosen) geologischen Formationen, sondern lebende Ahnen (Tupuna).
Wo waren unsere Stopps nochmal? Auf dieser Karte (FindPenguins) markieren wir unsere komplette Reiseroute 2025/2026 live, von Japan über Taiwan, Singapur, Malaysia, Indonesien, Australien, Neuseeland, Französisch Polynesien und den USA.
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