Kaikōura – Wo sich Ozean und Berge begegnen
Kaikōura („Ort der Langusten“)* ist eine ruhige Küstenstadt im Nordwesten der Südinsel, die weltweit als eines der besten Ziele für die Beobachtung von Meeressäugern bekannt ist. Das Besondere an diesem Ort ist ein tiefer Unterwassergraben direkt vor der Küste, der durch kalte und warme Meeresströmungen extrem nährstoffreich ist. Dies zieht das ganze Jahr über eine enorme Vielfalt an Meereslebewesen an. Zudem besticht Kaikōura durch seine umliegenden Gletscher. Steht man am Strand der rauhen Pazifikküste, scheinen diese erst im Ozean zu enden.



Whale Watching in Kaikōura – Warum dieser Ort weltweit so besonders ist
Eines der hervorragend zu beobachtenden Lebewesen vor Ort ist neben den zahlreichen Delfinen der Pottwal, der größte Zahnwal der Welt. Nach dem Wahlfangverbot (Marine Mammals Protection Act) im Jahr 1978 und damit einhergehender wirtschaftlicher Probleme für den Ort und die dort lebenden Māoris, wurde der Ökotourismus von einigen Familien als Einnahmequelle erkannt. Im Jahre 1993 konnten die Māoris unter der Führung ihres Oberhaupts Bill Salomon ihr erstes „Ausflugsboot“ einer amerikanischen Forscherin abkaufen und „Whale Watch Kaikōura“ war geboren.



Bei eben diesem Anbieter buchten wir unsere dreistündige Tour auf einem nun sehr großem Katamaran. Keine Nussschale, sondern möglichst ein hochseetauglicher Katamaran war meine Bedingung für den Ausflug. Die See vor Kaikōuras Küste ist bekanntlich sehr rauh. Grund dafür ist der bis zu 3000m tiefe Canyon, indem die bis zu 18m langen Walmännchen rund um die Uhr ihren Hunger mit Haien, Riesenkraken und anderen Meerestieren stillen können. Nur für 10 Minuten kommen sie während ihrer Jagd an die Oberfläche, um zu atmen, damit sie wieder genug Luft für die kommenden 2 Stunden (!) unter Wasser haben. Dies war also unser Zeitfenster, ziemlich knapp.
Unsere Tour mit Whale Watch Kaikōura beginnt
Angesagt war nahezu Windstille, was mich ja schon sehr beruhigte. Treffpunkt war an der Geschäftsstelle auf der Nordseite der Halbinsel beim historischen Bahnhof. Von dort aus ging es mit Bussen auf die Südseite zum Bootsanleger, quasi direkt neben unserer Unterkunft. Die Sonne schien, die Luft war entspannt und das Boot, welches wir bestiegen machte einen Topp- Eindruck. Ich beruhigte mich also langsam und konnte mich auf die Tour freuen. Mit ungefähr hundert weiteren Besuchern ging es nun nach einer kurzen, sehr freundlichen Einführung los und ich muss sagen, dass es trotz der besten Bedingungen schon ziemlich schaukelte.
Die ersten Pottwale tauchen auf
Bereits nach 30 Minuten erreichten wir den Canyon und trotz bester Bedingungen wurde das Schaukeln zu einem heftigen Auf- und Ab, dennoch überwogen noch die glücklichen Gesichter. Mir persönlich wird ja nicht wirklich schlecht, doch auch ich musste erste kleine Panikanflüge wegatmen. Schon nach kurzer Zeit gab es dann auch die erste Sichtung. Es war verrückt. So schnell? Das Boot stoppte in riesigen Wellen, wir erhielten das „Go!“ der Crew und bewegten uns an Haltemöglichkeiten festgeklammert Richtung Reeling. Hier tauchte auch schon der riesige Kopf (1/3 der Gesamtkörperlänge eines Pottwals/ bis zu 6 Meter) auf, wir sahen noch 1-2 Atemzüge und schon war er wieder in den Tiefen des Ozeans abgetaucht.

Wenn der Pazifik seine raue Seite zeigt
Kurze Zeit später fuhren wir zu einem andern Spott, an dem ein Wal gesichtet wurde. Hier dachte ich ganz optimistisch und von meiner Glückswelle getragen, dass ich mich ja mit anderen Gästen draußen auf das stufenförmige Bug setzen könnte. Nun wurden jedoch die Wellen höher, ich sofort nasser, weil die Gischt auf dem sich aufsteigenden und rasch wieder steil nach unten sinkenden Bugs klatschte . Alles johlte (noch) fröhlich, während Chris schon auf allen Vieren Stück für Stück zur ersten Stufe robbte und dann in der Innenkabine verschwand, wo ich mich langsam von Sitz zu Sitz Richtung Heck hangelte. Hier traf ich auf ein paar Mitleidende, denen aber wohl eher übel war. Ich starrte fortan wieder nur auf den Hoizont und so langsam beruhigen sich meine Nerven soweit, dass ich den Ausblick wieder sehr genießen konnte.
Der nächste Pottwal ließ sich etwas länger Zeit und wir konnten ihn langsam, etwa 10 Minuten während seiner etwa 50 Atemzüge begleiten. Aus für ihn sicherer Entfernung natürlich (Vorschrift etwa 100m)! Das war faszinierend, wenn auch die Distanz recht groß war. In Akureyri auf Island war ja der Buckelwahl sehr neugierig und schwamm aufmerksam sehr dicht am Boot entlang, während er uns 8 Hansels auf dem Kahn beäugte. Die Erfahrung in Kaikōura war da natürlich eine andere, aber dennoch sehr zu empfehlen.



Hunderte Schwarzdelfine sorgen für Gänsehaut
Dies war mein eigentliches Highlight muss ich zugeben. Kurz nachdem wir den Canyon und damit auch die Meeresriesen verließen, steuerte der Katamaran in deutlich ruhigere See Richtung Küste zurück. Zuvor hatte die rauhe See nun doch mittlerweile einige der eben vor Freude über das Auf und Ab des Schiffs jauchzenden Passagiere die Spucktüten in die Hand nehmen lassen, weshalb jetzt viele erleichtert aufatmeten. Und wie für ein Ablenkungsmanöver bestellt, sprangen plötzlich die ersten Delfine aus dem Wasser. Innerhalb weniger Minuten wurden aus 10 Duskys (Schwarzdelfinen), 20, dann 50 und auf einmal konnten wir sie nicht einmal mehr zählen.









Hunderte sprangen um uns durch die Lüfte, machten Saltos in der Luft, glitten zum greifen nahe Steuer- und Backbord entlang und hinzu gesellten sich noch verschiedenste Albatrossarten in der Luft. Wir konnten gar nicht genug davon bekommen! Es war nicht nur eine Delfinschule sondern eine ganze Stadt, die da durch den Ozean zog und wie bei einer Parade Kunststücke vollführte. Was für ein Schauspiel! Doch die Fröhlichkeit der Delfine war so ansteckend, dass die durch Seekrankheit angespannte Atmosphäre wieder viel lockerer wurde und die Passagiere wieder über die Witze des Kapitäns und der sehr empathischen Crew lachen konnten.





Unser Fazit zum Whale Watching in Kaikōura
Nachdem wir kurz vor Sonnenuntergang wieder festen Boden unter den Füßen hatten und zum Häuschen gingen, war dies unser eigentliches Gesprächsthema. Klar, die Wale waren auch toll, doch diese bezaubernde Wirkung der Delfine wirkte ganz besonders nach. Sehr gerne wieder, trotz Achterbahn-Schaukeln!



*Die Halbinsel Kaikōura gilt in der Mythologie der Māui als der Platz auf dem Kanu (Waka), auf dem sich der Halbgott Māui mit seinen Füßen abstützte, um mit seinem Haken (Matau) einen riesigen Fisch an Land zu ziehen. Dieser Fisch war die Nordinsel Neuseelands (Te Ika a Māui) und die gesamte Südinsel (Te Waka a Māui) war das Kanu, auf dem Māui der Legende nach mit seinen Brüdern angelte.
Diesen Stopp und unsere gesamte Neuseeland-Route kannst du live auf unserer FindPenguins-Karte nachverfolgen.
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