Verirrt unter Taipeh: Wie wir das Bussystem aufgaben und die U-Bahn lieben lernten
Es mag vielleicht nur ein 2,5 Stunden Flug von Japan nach Taiwan sein, aber beide Länder sind unterschiedlicher als man denkt. Nachdem wir während der Landung gruseliger Weise mit dem Flieger erneut durchstarteten, obwohl wir eigentlich schon fast die Landebahn berührt hatten, wären wir beinahe in Taipehs Katakomben verschollen, als wir am Hauptbahnhof eigentlich nur unseren Bus nach Ximen suchten. Man mag es kaum glauben, aber genau hier sammelten wir unsere ersten und für Taipeh typischen Reiseerfahrungen. Unter dem Hauptbahnhof gibt es so eine Art Labyrinth aus Geschäften, Märkten und chaotischen Wegbeschreibungen, die scheinbar nur dazu dienen, ankommende Touristen zu verwirren und für immer als zahlende Gäste in diesem unterirdischen Chaos einzusperren. Wir brauchten vom Flughafen zum Hauptbahnhof etwa 1 Stunde, um den Bus für die 5 Minuten Fahrt nach Ximen zu finden, irrten wir ganze 90 Minuten umher. Fazit: Man gibt bei Google im Routenplaner ein, dass man nur die U- Bahn nutzen möchte und alles läuft bestens. Busse haben wir einfach ausgeklammert und ab sofort waren wir stets sehr schnell dort, wo wir hinwollten. Das klappt einfach super in Taipeh.



Was haben wir in Taipeh gesehen und erlebt?
- das vor Energie überschäumende Taipeh mit seinen Tempeln (Zhinan-Tempel und Longshan-Tempel)





- Ruheoasen (Botanischer Garten und National Museum of History)


- den berühmten Wolkenkratzer Taipei 101




- wuseligen Nachtmärkten


- eine spontane Bootstour auf dem Tamsui



Special: Militärpräsenz vorm Frühstückskäffchen
Wir hatten vorab einiges über diesen kleinen Inselstaat 180 km östlich von China gelesen und gehört. Taiwan, sprich die Republik China, ist einer der demokratischsten Staaten Asiens und ihre völkerrechtlich umstrittene Stellung China gegenüber birgt nach wie vor reichlich Konfliktpotenzial. Während unserer Reise durch Taiwan haben wir davon kaum etwas mitbekommen. Wir waren eher besorgt hinsichtlich vorhergesagter Erdbeben.
Nur zweimal wurden wir uns der Militärpräsenz deutlich bewusst. Zuerst erlebten wir dies in Taiwan. Eines Morgens wurden wir in Taipeh in Ximen von solch einem Getöse geweckt, was einen sofort in Panik versetzt. Es war so dermaßen laut und nah, dass sogar alles um einen herum im Zimmer zu zittern schien. Wir dachten, dass ein Flugzeug über uns abstürzt und waren starr vor Schreck. Doch so schnell es kam, war es auch wieder verschwunden. Später, als wir noch immer verwirrt das Haus verließen, um ein wenig die Gegend zu entdecken, näherte sich schon wieder dieses unnatürliche Grollen. Diesmal zog es ebenso schnell über unsere Köpfe hinweg und wir stellten uns unter ein Vordach und duckten uns intuitiv ein wenig. Plötzlich sahen wir nur, wie ein großer Schatten über uns hinwegdüste und erwarteten jeden Moment berstendes Glas zu hören, aber nichts…nur dieses unbeschreibliche Grollen, was einen durch Mark und Bein geht. Zurück blieb dann nur ein Spur in den Nationalfarben rot, blau und weiß am Himmel. Ein freundlicher Mann zeigte uns dann den Düsenjet und erklärte uns, dass dies heute wieder ein Feiertag war und an diesen das Militär eben zur Freude oder eben zum Schrecken aller, so dicht über die riesige Stadt flog. Na dann „Herzlichen Glückwunsch“ zu so viel Idiotie! Sorry und „Prost 🥂“!
Das zweite Erlebnis gestaltete sich ähnlich. Wir fuhren diesmal allerdings gerade Richtung Süden durch Pingtung. Auch hier starteten unerwartet laut die Düsenjäger neben uns und flogen über unsere Köpfe, gefühlt einfach neben dir auf der Überholspur, hinweg aufs Meer. Vermutlich hätte uns das nicht so überrascht, wenn wir schon vorher nachgelesen hätten, dass Pingtung auch dafür bekannt ist. Wie auch immer, Militärpräsenz wirkt deutlich angsteinflößender und vermittelt eher Unsicherheit statt friedliche Absichten und Sicherheit. Von wegen Frieden durch Aufrüstung und Wehrdienst, da fällt mir aus gegebenem Anlass nur eins zu ein: fürchterliches Mackergehabe! 🕊️
