Da war doch noch was…
„Na, wollen wir nicht jetzt einen Tauchkurs machen?“
„Äh, echt jetzt?“
„Naja, hatten wir ja schon immer mal vor und in Hamburg haben wir es ja nicht geschafft. Hier haben wir Zeit und es ist doch bestimmt nicht so teuer.“
Vom Gedanken zum Tauchkurs – wie alles begann
Mir schwante es schon bei diesem übermotiviertem Auftakt: Aus dieser Nummer komme ich nicht so leicht raus…
Zwischen, sich im TÜV-für-alles-Deutschland vorzunehmen, einen Tauchschein zu machen, und dem Hier-wird-alles-nur-irgendwie-zusammengeschraubt-Indonesien besteht für mich schon ein erheblicher Unterschied, allerdings leider nur für mich.
„Lass und doch mal dort vorn schauen, ich habe gerade mal geschaut. Dort ist zufällig eine sehr gut bewertete PADI-Tauchschule.“
Von wegen zufällig…berechnend nenne ich das😳.
„Na, gut, gucken können wir ja mal.“
(Ich hoffte natürlich, dass es viel zu teuer für mein manchmal-Sparfuchs wäre, habe mich aber geirrt. Nichts, aber wirklich auch gar nichts schien zu teuer!)
Meine Vermutung bestätigte sich leider und eine zertifizierte PADI-Tauchschule mit 2 zusätzlich angebotenen Tauchgängen später war ich fest am Haken. Mit Ach und Krach schaffte ich es, erstmal nur am Schnupperhaken zu baumeln. Nur wenn ich mich an diesem richtig wohlfühlen würde, wäre der Open-Water-Diver-Haken für mich reserviert.

Aller Anfang ist panisch 😅
Ich durfte wenigstens am 19.Dezember noch meinen 49. Geburtstag bei Kerzenschein und Pizza am Meer feiern, bevor ich am nächsten Tag todes(!)mutig in mein neues Lebensjahr (Hoffentlich!) startete. Morgens um 7:00 klingelte der Wecker und schon um 8:00 wurden wir abgeholt und ich aufs Jolle Richtung Gillis verschleppt. An Bord war der Tauchlehrer Kus, ein 74jähriger Norddeutscher Taxifahrer namens Rainer und 3 Mittauchlinge. Während Marcus überaus motiviert war, fühlte ich mich wie vorm Examen: vor Aufregung ganz zittrig, wortkarg mit leicht nervösem Lächeln. Das Kaninchen vor der Schlange und so…, aber ich wollte keinesfalls kneifen. Ich dachte mir so, dass ich es ja nach dem versprochenem Schnupperkurs guten Gewissens bei eben diesem belassen könnte. Ich habe es ausprobiert und war leider nix für mich, so etwas in der Art.
Wer mich kennt, weiß, dass ich ja schon im Allgemeinen nicht sehr gern Boot fahre, also auf dem offenen Meer. Nun ging es direkt los und wir setzten in den nächsten 15 Minuten bei nicht ganz ruhiger See zu den Gilis über. Es war nicht stürmisch, nee, aber auch nicht gaaaanz ruhig. Reichte mir jedenfalls schon, um nervös zu werden.
Der etwas ältere bzw. sehr erfahrene 😉 Tauchlehrer Kus nutzte die Zeit, um uns die Ausrüstung zu erklären. Einerseits lenkte mich dies sehr gut ab, andererseits befürchtete ich, mir vor Aufregung nichts Überlebenswichtiges merken zu können. Parallel dazu: Welle hoch, Welle runter, Welle hoch…
☝️(Empfehlungen für seriöse Tauchschulen)Bei Tauchanfängern gibt es beim Tauchgang eine 1:1 Betreuung.



Erster Tauchgang: Zwischen Angst und Faszination
Na toll, schon das gab es bei uns am ersten Tag nicht. Wie sollte ich denn da mutig bleiben? Irgendwann dachte ich einfach nur, wird schon gut gehen, wir würden ja nur kurz unter der Oberfläche bleiben. So könnte ich nach meiner Planung einfach auftauchen, wenn ich panisch werde. Begründet oder nicht, das wäre mir dann egal.
Wie auch immer…plötzlich saß ich in vollem Equipment bereit und hörte nur noch „1,2,3!“ und ließ mich rückwärts ins Wasser plumpsen. Dank der mit Luft gefüllten Tarierweste tauchte ich auch gleich wieder auf und durfte mich ein wenig einfühlen. Kus checkte in Tauchermanier (👌) unser Wohlbefinden und irgendwie tauchte ich ihm dann konzentriert Druck ausgleichend hinterher und was soll ich sagen: ES WAR SO TOLL!
Wir tauchten direkt an einem Bootswrack und waren inmitten 100er bunter Fische in verschiedensten Größen. Ich kam mir vor wie in Hagenbecks Aquarium.
Nachdem Marcus noch kurz bei mir und Kus für einen Riesenschreck sorgte, weil er aus Versehen Luft in seine Weste pumpte und dadurch rasant Aufstieg, obwohl sich ein Boot näherte, übten wir ein wenig das Auf- und Absteigen durch das Ein- und Ausatmen. Nach 46 Minuten und 11 Metern (!!!) und einem Einblick in die fantastische Unterwasserwelt vor den Gilis tauchten wir langsam wieder auf. In diesem Moment war ich so glücklich und freute mich so darüber, dass ich es gepackt hatte, dass ich den 2. anstehenden Tauchgang ganz verdrängt hatte.



Der zweite Sprung ins Ungewisse
Natürlich gratulierten mir alle Anwesenden total lieb zu meinem ersten Tauchgang, doch leider hatte ich dadurch ja auch irgendwie das Gefühl, beim 2. Tauchgang nicht kneifen zu können. Den hatte ich nämlich während der Mittagspause ganz verdrängt. So zog ich mir dann zum zweiten Mal meinen Anzug an und machte mich bereit, hin- und hergerissen zwischen erneuter Panik (Was ist, wenn meine Luft ausgeht? Wenn ich aber auftauchen muss und genau dann ein Boot kommt? Haie? Drückerfisch? Giftige Quallen?) und diesmal aber auch etwas Vorfreude (Schildkröten? Oktopus? Bunte Fische? Moränen? Haie?). Wir tauchten diesmal sogar 52 Minuten und bis 13m tief. Was soll ich sagen, es war irre, sobald ich die immer wieder aufkommenden Ängste verdrängen konnte. Es ist einfach eine andere Welt dort unten und am liebsten möchte man sich gar nicht viel bewegen, sondern alles Gesehene in Ruhe aufsaugen, beobachten und genießen.



Endorphine, Erschöpfung und eine folgenschwere Entscheidung
Vollgepumpt mit Endorphinen störte mich auf der Rückfahrt nicht einmal mehr der Wellengang und völlig erschöpft, aber glücklich unterschrieb ich nun für die komplette Ausbildung zum OpenWaterDiver.
Nächtliche Zweifel und große Ängste
Ein paar Stunden später, nachdem wir 4 Stunden lang die ersten 2 Lektionen des E-learningkurses von PADI mit sämtlichen Notfallszenarien samt Todesfolge durchgeackert hatten, weckte ich panisch und weinend meinen Mann.
„Was habe ich nur gemacht? Ich möchte gar nicht mehr tauchen.“
„Was ist denn los?“
„Oh man, wir müssen morgen 18m tief tauchen! Das ist soooo tief! Was ist, wenn ich keine Luft mehr habe oder nicht auftauchen kann oder ihr mich nicht mehr seht oder meine Ausrüstung…u.s.w.“
„Mh, sind es die 18m, die dir Angst machen?“
„Irgendwie schon und jetzt habe ich es doch probiert, warum soll ich mich denn nochmal überwinden?“
„Hat es dir gefallen?“
„Ja, aber die Angst taucht irgendwie mit.“
„Mh…müssen wir denn überhaupt so tief tauchen? (Kurzer Check auf der PADI- Homepage um 0:28 Uhr) Nee, da steht BIS 18m und 13 bist du doch heute schon. Das sollte reichen. Wir sagen Kus morgen einfach, tiefer muss nicht sein, ok?“
6 Tauchgänge später: Ein neues Lebensgefühl
Und so konnte mir (m)ein liebevoller Ehemann-Tauchbuddy die größten Ängste nehmen und sorgte so dafür, dass ich alle 6 Tauchgänge durchzog und mit riesigen Meeresschildkröten, einem Barakuda, Moränen und inmitten riesiger bunter Fischschwärme entlang tollster Riffs tauchte. Und tatsächlich, abgelenkt von dieser traumhaften Unterwasserwelt erreichte ich doch beim 5.Tauchgang die 18m. Beim letzten Tauchgang konnte oder besser wollte ich gar nicht mehr… aufhören🤭. Schien im Nachhinein gar nicht so schwer.
Und trotzdem, nach drei Tagen Adrenalin pur, brauche ich nun erstmal `ne Pause😂.

Wo waren unsere Stopps nochmal? Auf dieser Karte (FindPenguins) markieren wir unsere komplette Reiseroute 2025/2026 live, von Japan über Taiwan, Singapur, Malaysia, Indonesien, Australien, Neuseeland, Tahiti und ???
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