Izu – eine (Natur)-Katastrophe?
Izu – eine (Natur)-Katastrophe?

Izu – eine (Natur)-Katastrophe?

Morgens um 6:00 Uhr wurden wir mit ohrenbetäubender „Musik“ geweckt, die uns sehr an einen schlechten japanischen Schlager erinnerte. Täglich zu unterschiedlichsten Zeiten ertönte stets diese Melodie, egal in welchem Ort, auf welchem Berg oder Strand wir uns befanden. Tatsächlich war es aber kein Wecker, sondern war Teil des japanischen Unwetteralarm- Systems. Bisher hatten wir darüber noch gar nicht so viel nachgedacht, doch wenn man mehrfach am Tag an drohende Szenarien wie Taifune, Erdrutsche, Tsunamis und Erdbeben erinnert wird, prüft man doch des Öfteren die Wetterinfos. Vor Tsunamis hatten wir oben in den Hügeln Izus nicht wirklich Angst, aber etwas besorgter waren wir schon, nachdem der erste Taifun mit extremen Regenfällen angekündigt wurde. Bereits 24 Stunden vorab waren wir schon besorgt, aber ehrlicher Weise auch etwas neugierig. Chikuko und Akiko, unsere liebevollen Vermieter hielten uns stets auf dem Laufenden. Dass sie am Abend zuvor für 2 Tage auf Reisen gingen, machte uns dann doch etwas nervös. Nachdem Hongkong und Taiwan (Hualien) schwer vom Taifun erwischt wurden, erlebten wir zwar heftige Regenfälle, aber zum Glück nicht so stark, wie angesagt. Dennoch, die Nacht war sehr unruhig, erinnerte uns ein wenig an Costa Rica. Damals hatten wir in Uvita auch Starkregen und beobachteten nachts die steigenden Wassermassen in den Flüssen. So wie in Uvita, ging auch diesmal alles gut. Klar, das gestern noch blau wirkende, plätschernde Wasser in den Wasserfällen um uns herum entsprach nun eher braunen, laut tosenden Fluten, in denen das Regenwasser der umliegenden Hügel/ Berge bis ins Tal schoss. Zwar waren sämtliche Kanäle an deren Seiten bis an den Rand gefüllt und auch die Onsen-Becken neben dem Fluss vorerst komplett geflutet, aber wir waren zu keiner Zeit in Gefahr. Sonst, so teilte Akiko mit, würde evakuiert werden und dies hätten wir dann über die Lautsprecher mitbekommen. Hätten wir das? Keine Ahnung… eigentlich waren wir nämlich ganz froh, dass wir bisher nicht herausgefunden haben, ob dies Durchsagen dann auch auf Englisch erfolgen 🤔.


Später, in Hiroshima, haben wir übrigens ein kleines Erdbeben der Stärke 3,5 erlebt. Wir waren gerade in unserm netten Appartement im 5. Stockwerk, als es merklich rüttelte, aber eher so, als würde man sich im Erdgeschoss befinden und ein großer Lastwagen vor der Tür vorbeirollen. Spürbar und interessant, aber ungefährlich😅. Es ist schon heftig, welche tragische Naturkatastrophen Japan bereits erlebt hat. Dies erklärt natürlich auch sämtliche Vorsichtsmaßnahmen wie die hohen Wälle am Meer und an Berghängen, die künstlich angelegten Flussläufe und Flussbetten zur Entlastung bei starken Regenfällen oder für das Schmelzwasser, die tollsten Brückenkonstruktionen oder auch die weniger schönen, aber für die Shimanto-Region typischen Sada Chinkabashi Brücken, die einfach in den Fluten „untergehen“ statt mitgerissen zu werden. Hinzu kommen die weniger hübschen Lautsprecher überall samt ihrer anfangs noch nervigen Durchsagen/ Melodien auch an den schönsten und eigentlich stillen Naturschauplätzen, die Tsunamitürme oder erhöhten Sammelplätze in der Küstenregion und darauf hinweisende Evakuierungsschilder. Es mag dadurch oft etwas überorganisiert und kontrolliert wirken, andererseits bei dieser allgegenwärtigen Bedrohung auch irgendwie verständlich und tatsächlich etwas beruhigend.

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